Qualitätsmanagement in der Arztpraxis: was die QM-Richtlinie vom Praxisteam verlangt
Qualitätsmanagement klingt nach Ordnern und Formularen. Tatsächlich geht es um den Alltag im Praxisteam: Wie gehen wir mit Fehlern um? Wer weiß im Notfall, was zu tun ist? Wie reagieren wir auf Beschwerden? Medizinische Fachangestellte (MFA) tragen dazu entscheidend bei – am Empfang, im Labor, bei der Medikation und in der Kommunikation mit Patient:innen.
Dieser Beitrag erklärt die Grundlagen aus dem Sozialgesetzbuch V und der Qualitätsmanagement-Richtlinie (QM-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) in der Fassung, die am 20. August 2026 in Kraft getreten ist. Er richtet sich an MFA, Praxisteams und Praxisleitungen in der vertragsärztlichen Versorgung.
- Vertragsärzt:innen sind gesetzlich verpflichtet, ein einrichtungsinternes Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln (§ 135a Abs. 2 Nr. 2 SGB V).
- Die QM-Richtlinie des G-BA konkretisiert, welche Methoden und Instrumente dazu gehören.
- Risikomanagement, Fehlermanagement und Fehlermeldesysteme sind ausnahmslos anzuwenden.
- Fehlermeldungen sollen freiwillig, anonym und sanktionsfrei erfolgen.
- Qualitätsmanagement ist Führungsaufgabe, erfordert aber die Einbindung des ganzen Teams.
Rechtsgrundlage: § 135a SGB V und die QM-Richtlinie
Nach § 135a Abs. 2 Nr. 2 SGB V sind unter anderem Vertragsärzt:innen und medizinische Versorgungszentren verpflichtet, einrichtungsintern ein Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln. Was das konkret heißt, regelt der G-BA in der Qualitätsmanagement-Richtlinie. Sie versteht unter Qualitätsmanagement, dass Organisation, Arbeits- und Behandlungsabläufe festgelegt und zusammen mit den Ergebnissen regelmäßig intern überprüft werden; im Mittelpunkt stehen eine patientenorientierte Prozessoptimierung und die Patientenzufriedenheit (QM-RL Teil A § 1).
Qualitätsmanagement ist eine Führungsaufgabe in der Verantwortung der Leitung, erfordert aber die Einbindung aller an den Abläufen beteiligten Personen. Es folgt dem PDCA-Zyklus aus Planung, Umsetzung, Kontrolle und Verbesserung (QM-RL Teil A § 2). Als Grundelemente nennt die Richtlinie Patientenorientierung einschließlich Patientensicherheit, Mitarbeiterorientierung einschließlich Mitarbeitersicherheit, Prozessorientierung, Kommunikation und Kooperation, Informationssicherheit und Datenschutz sowie Verantwortung und Führung (QM-RL Teil A § 3).
Die wichtigsten Instrumente für das Praxisteam
Die in § 4 der Richtlinie genannten Methoden und Instrumente sind verpflichtend anzuwenden. Auf einzelne kann nur verzichtet werden, wenn Ausstattung, örtliche Gegebenheiten oder fachliche Besonderheiten ihrem Einsatz offensichtlich entgegenstehen – nicht aber auf die Mindeststandards des Risikomanagements, des Fehlermanagements und der Fehlermeldesysteme (QM-RL Teil A § 4 Abs. 1). Die folgende Auswahl betrifft MFA besonders:
| Instrument | Was die Richtlinie verlangt | Rolle der MFA |
|---|---|---|
| Teambesprechungen | Regelmäßig strukturierte Besprechungen, in denen alle aktuelle Themen und Probleme ansprechen können. | Themen einbringen, Absprachen umsetzen. |
| Fehlermanagement und Fehlermeldesysteme | Fehler und unerwünschte Ereignisse erkennen und für Verbesserungen nutzen; niederschwelliges Berichts- und Lernsystem. | Beinahe-Fehler und Fehler melden, ohne Schuldzuweisung. |
| Beschwerdemanagement | Geregelte Bearbeitung; Patient:innen werden über persönliche oder anonyme Beschwerdemöglichkeiten informiert. | Beschwerden aufnehmen, weiterleiten, Rückmeldung geben. |
| Notfallmanagement | Passende Notfallausstattung und Notfallkompetenz, aktualisiert durch regelmäßiges Notfalltraining. | Notfälle erkennen, Abläufe kennen, Ausstattung prüfen. |
| Arzneimitteltherapiesicherheit | Vermeidbare Risiken im Medikationsprozess erkennen und minimieren. | Sorgfalt bei Rezepten, Medikationsplänen und Rückfragen. |
| Prävention von Missbrauch und Gewalt | Gewalt vorbeugen, erkennen, angemessen reagieren; Praxen für Kinder und Jugendliche entwickeln ein Schutzkonzept. | Aufmerksam sein, Vorgehen im Team kennen. |
Quelle: QM-RL Teil A § 4 Abs. 1 und 2. Weitere Instrumente sind unter anderem Patienten- und Mitarbeiterbefragungen, Prozessbeschreibungen, Checklisten, Schnittstellenmanagement und Hygienemanagement.
Fehlerkultur: aus Fehlern lernen statt Schuldige suchen
Die Richtlinie beschreibt Fehlermanagement ausdrücklich als Lernprozess: Ziel ist die Prävention von Fehlern und Schäden durch Lernen aus kritischen Ereignissen, damit diese künftig – auch für andere – vermieden werden können. Die Meldungen sollen freiwillig, anonym und sanktionsfrei durch die Mitarbeitenden erfolgen; sie werden systematisch aufgearbeitet, daraus werden Präventionsempfehlungen abgeleitet, umgesetzt und auf ihre Wirksamkeit geprüft (QM-RL Teil A § 4 Abs. 1). Für das Team heißt das: Wer einen Fehler meldet, trägt zur Sicherheit bei. Wie Rückmeldungen gelingen, zeigen die Kurse Beschwerdemanagement & Fehlerkultur in der Praxis, Feedback geben & annehmen im Praxisteam und Patientensicherheit im Praxisalltag.
Kommunikation, Gesundheit und Haltung im Team
Zu den Grundelementen gehören neben der Patientensicherheit ausdrücklich die Mitarbeiterorientierung und Mitarbeitersicherheit sowie Kommunikation und Kooperation (QM-RL Teil A § 3). Gute Qualität entsteht deshalb auch dort, wo Teams respektvoll miteinander umgehen, Belastungen ansprechen und herausfordernde Situationen gemeinsam bewältigen. Passende Vertiefungen bieten die Kurse Kommunikation & Gesprächsführung mit Patient:innen, Deeskalation & sicherer Umgang mit Aggression im Praxisteam, Gesunde Führung im Praxisteam und Ethik & Schweigepflicht im Praxisalltag. Zur Deeskalation siehe auch den Beitrag Deeskalation: Stufen und Techniken.
Häufige Fragen
Ist Qualitätsmanagement in der Arztpraxis Pflicht?
Ja. Vertragsärzt:innen sind nach § 135a Abs. 2 Nr. 2 SGB V verpflichtet, ein einrichtungsinternes Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln. Die Einzelheiten regelt die QM-Richtlinie des G-BA.
Welche QM-Instrumente sind ohne Ausnahme anzuwenden?
Nach der QM-Richtlinie gilt die Verzichtsmöglichkeit nicht für die Mindeststandards des Risikomanagements, des Fehlermanagements und der Fehlermeldesysteme, für das Beschwerdemanagement im Krankenhaus und für OP-Checklisten bei bestimmten Eingriffen.
Müssen Fehlermeldungen anonym sein?
Die Richtlinie sieht vor, dass Meldungen freiwillig, anonym und sanktionsfrei durch die Mitarbeitenden erfolgen sollen. So entsteht eine Kultur, in der aus Fehlern gelernt wird.
Wer ist für das Qualitätsmanagement verantwortlich?
Qualitätsmanagement ist eine Führungsaufgabe der Praxisleitung. Es erfordert aber die Einbindung aller Beteiligten – MFA sind deshalb ein wichtiger Teil davon.
Die Selbstlernkurse für MFA und Praxisteams vertiefen Kommunikation, Patientensicherheit, Teamarbeit und Gesundheit im Praxisalltag. Sie lernen im eigenen Tempo und erhalten nach Bearbeitung aller Module eine Teilnahmebescheinigung.
Alle Selbstlernkurse MFA & Praxisteams →Bundesministerium der Justiz. (o. J.). Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch – Gesetzliche Krankenversicherung, § 135a. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__135a.html
Gemeinsamer Bundesausschuss. (2026). Richtlinie über grundsätzliche Anforderungen an ein einrichtungsinternes Qualitätsmanagement (Qualitätsmanagement-Richtlinie/QM-RL) in der Fassung vom 17. Dezember 2015, zuletzt geändert am 18. Juni 2026, in Kraft getreten am 20. August 2026. https://www.g-ba.de/richtlinien/87/
Stand: Oktober 2026.
Weiterlernen
Passende Selbstlernkurse zum Thema
GSL-P09 · Selbstlernkurs
Beschwerdemanagement & Fehlerkultur in der Praxis
Beschwerdemanagement und Fehlerkultur in der Praxis: aus Rückmeldungen und Fehlern lernen.
Zum Kurs →
GSL-P30 · Selbstlernkurs
Patientensicherheit im Praxisalltag
Patientensicherheit im Praxisalltag: Risiken erkennen und Abläufe sicher gestalten.
Zum Kurs →
GSL-P20 · Selbstlernkurs
Feedback geben & annehmen im Praxisteam
Feedback geben und annehmen im Praxisteam – konstruktiv und wertschätzend.
Zum Kurs →
GSL-P01 · Selbstlernkurs
Deeskalation & sicherer Umgang mit Aggression im Praxisteam
Deeskalation und sicherer Umgang mit Aggression im Praxisteam.
Zum Kurs →
GSL-P03 · Selbstlernkurs
Kommunikation & Gesprächsführung mit Patient:innen
Kommunikation und Gesprächsführung mit Patientinnen und Patienten.
Zum Kurs →
GSL-P17 · Selbstlernkurs
Qualitätsentwicklung & professionelle Haltung in der Praxis
Qualitätsentwicklung und professionelle Haltung in der Praxis.
Zum Kurs →
Redaktion GermanSocialLab – fachlich verantwortet von einem staatlich anerkannten Arbeitserzieher mit langjähriger Erfahrung in der pädagogischen und sozialen Arbeit.
Die Inhalte werden mit KI-Unterstützung erstellt, quellenbasiert aufbereitet und redaktionell verantwortet. Sie dienen der fachlichen Orientierung und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.