Fachwissen · Teilhabe am Arbeitsleben

Bildungsbegleiter im Berufsbildungsbereich der WfbM

Aufgaben, Eingliederungsplan und Rahmen: was § 57 SGB IX, die Werkstättenverordnung und das Fachkonzept der Bundesagentur für Arbeit regeln.

Ein Bildungsbegleiter im Berufsbildungsbereich begleitet Menschen mit Behinderungen durch das Eingangsverfahren und den Berufsbildungsbereich (BBB) einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM). Das Fachkonzept der Bundesagentur für Arbeit (BA) verlangt, dass der Leistungserbringer für jede teilnehmende Person einen Bildungsbegleitenden als dauerhafte Bezugsperson benennt, der die Eingliederungsplanung verantwortet (BA, 2025, S. 18). Eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung „Bildungsbegleiter“ kennen § 57 SGB IX und die Werkstättenverordnung (WVO) nicht.

Zu den Bildungsrahmenplänen: Harmonisierte Bildungsrahmenpläne in der WfbM.

Auf einen Blick
  • Eingangsverfahren drei Monate, Berufsbildungsbereich zwei Jahre (§ 57 Abs. 2 und 3 SGB IX).
  • Der Bildungsbegleitende wird im Eingliederungsplan namentlich benannt (BA, 2025, S. 18).
  • Über die Leistungen entscheidet der zuständige Rehabilitationsträger, nicht die Werkstatt; im Eingangsverfahren und BBB ist das die Bundesagentur für Arbeit, soweit kein anderer Träger nach § 63 Abs. 1 SGB IX zuständig ist.

Eingangsverfahren und Berufsbildungsbereich: der Rechtsrahmen

Leistungen im Berufsbildungsbereich gibt es, wenn sie erforderlich sind, um die Leistungs- oder Erwerbsfähigkeit so weit wie möglich zu entwickeln, zu verbessern oder wiederherzustellen, und wenn danach wenigstens ein Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung erwartet werden kann (§ 57 Abs. 1 Nr. 2 SGB IX).

PhaseDauerKern der Aufgabe
Eingangsverfahren
§ 57 Abs. 2 SGB IX, § 3 WVO
drei Monate; im Einzelfall auf bis zu vier Wochen verkürzbarEignung der Werkstatt, passende Bereiche und Leistungen klären, Eingliederungsplan erstellen; zum Abschluss Stellungnahme des Fachausschusses
Berufsbildungsbereich
§ 57 Abs. 3 SGB IX, § 4 WVO
zwei Jahre, in der Regel zunächst ein Jahr bewilligt; Lehrgänge in Grund- und Aufbaukurs, in der Regel je zwölf MonateTeilhabe am Arbeitsleben verbessern; Grundfertigkeiten, Sozial- und Arbeitsverhalten, später anspruchsvollere Fertigkeiten; vor Ende Stellungnahme des Fachausschusses
Anrechnung
§ 57 Abs. 4 SGB IX
Zeiten der Unterstützten Beschäftigung zur Hälfte; zusammen höchstens 36 MonateBetriebliche Qualifizierung nach § 55 SGB IX wird berücksichtigt

Das zweite Jahr wird bewilligt, wenn eine rechtzeitig abgegebene fachliche Stellungnahme die Annahme trägt, dass die Leistungsfähigkeit weiterentwickelt oder wiedergewonnen werden kann (§ 57 Abs. 3 SGB IX; § 4 Abs. 6 WVO). Das Fachkonzept sagt dagegen, eine Verlängerung des BBB sei nicht möglich (BA, 2025, S. 15). Nach dem Zusammenhang (dort: Förderzusage zwölf plus bei Bedarf zwölf Monate) ist eine Dauer über 24 Monate hinaus gemeint, nicht das zweite Jahr. Möglich bleibt eine Wiederholung (§ 4 Abs. 6 Nr. 2 WVO); darüber entscheidet der Rehabilitationsträger.

Aufgaben der Bildungsbegleitung im Berufsbildungsbereich

Der Eingliederungsplan wird gemeinsam mit der teilnehmenden Person und gegebenenfalls ihrer gesetzlichen Vertretung erstellt und fortgeschrieben (BA, 2025, S. 18).

Der Eingliederungsplan: Pflichtinhalte

Das Fachkonzept legt fest, was der Eingliederungsplan enthalten muss (BA, 2025, S. 18 f.):

  • namentliche Benennung des verantwortlichen Bildungsbegleitenden, ohne zusätzlichen Personalansatz,
  • wesentliche Erkenntnisse zur persönlichen und beruflichen Situation, zu Beginn und fortlaufend dokumentiert,
  • gemeinsam erarbeitete Eingliederungsziele samt Teilzielen, Gründen und erforderlichen Schritten,
  • das vereinbarte Vorgehen zur Persönlichkeitsentwicklung und zur beruflichen Bildung,
  • der begründete, fortlaufend angepasste Unterstützungsbedarf,
  • Anzahl und Dauer der Betriebspraktika; ist ein Praktikum auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt noch nicht möglich, ist das begründet zu dokumentieren.

Eine zunächst vereinbarte berufliche Orientierung ist in mindestens zwei Berufsfeldern durchzuführen (BA, 2025, S. 18). Zur Dokumentation: Berichte schreiben in der Sozialen Arbeit.

Berichte an den Rehabilitationsträger

Der Leistungserbringer berichtet dem Rehabilitationsträger: den ersten spätestens zwei Wochen vor Ende des Eingangsverfahrens, den zweiten spätestens vier Wochen vor Ende des ersten Jahres im BBB, den dritten spätestens drei Monate vor Ende des zweiten Jahres; anlassbezogene Berichte folgen unverzüglich (BA, 2025, S. 19). Wer sie schreibt, legt das Fachkonzept nicht fest.

Begleitung in fünf Schritten (eigene Gliederung)

1. Ankommen
Bezugsperson benennen, Verfahren in verständlicher Form erklären.
2. Potenziale erkunden
Im Eingangsverfahren Eignung, Neigung und Vorerfahrungen klären.
3. Plan gemeinsam erstellen
Eingliederungsziele mit der Person und gegebenenfalls der Vertretung festlegen.
4. Bilden und erproben
Qualifizierung, Praktika und Mobilitätstraining begleiten.
5. Übergang vorbereiten
Plan fortschreiben, berichten, Wege nach dem BBB klären.

Qualifikation: Fachkräfte und sonderpädagogische Zusatzqualifikation (§ 9 WVO)

Eine eigene Qualifikationsregel für Bildungsbegleitende enthalten weder § 57 SGB IX noch der Hauptteil des Fachkonzepts. Nach § 9 Abs. 3 WVO richtet sich die Zahl der Fachkräfte zur Arbeits- und Berufsförderung nach Zahl und Zusammensetzung der Menschen mit Behinderungen, der Art der Beschäftigung und der technischen Ausstattung. Das Zahlenverhältnis von Fachkräften zu Menschen mit Behinderungen soll im Berufsbildungsbereich 1:6 betragen. Die Fachkräfte sollen in der Regel Facharbeiter, Gesellen oder Meister mit mindestens zweijähriger Berufserfahrung in Industrie oder Handwerk sein; sie müssen pädagogisch geeignet sein und über eine sonderpädagogische Zusatzqualifikation verfügen. Pädagogische oder soziale Berufsqualifikationen reichen aus, wenn die übrigen Kenntnisse anderweitig erworben wurden; die Zusatzqualifikation kann in angemessener Zeit nachgeholt werden (§ 9 Abs. 3 i. V. m. Abs. 2 Satz 3 WVO). Im Eingangsverfahren sollen Fachkräfte des Berufsbildungsbereichs und der begleitenden Dienste eingesetzt werden, sofern der Rehabilitationsträger keine höheren Anforderungen stellt (§ 9 Abs. 4 WVO).

Das Fachkonzept verlangt qualifiziertes, erfahrenes Personal, das seine Qualifikation durch Fort- und Weiterbildung, Teambesprechungen und Supervision festigen können muss; das hat der Leistungserbringer sicherzustellen (BA, 2025, S. 13 f.). § 11 WVO verpflichtet die Werkstatt, dem Fachpersonal Gelegenheit zur Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen zu geben.

Zusammenarbeit mit dem Fachausschuss (§ 2 WVO)

Bei jeder Werkstatt ist ein Fachausschuss zu bilden, dem in gleicher Zahl Vertreter der Werkstatt, der Bundesagentur für Arbeit und des nach Landesrecht bestimmten Trägers der Eingliederungshilfe angehören (§ 2 Abs. 1 WVO). Vor der Aufnahme nimmt er gegenüber dem Rehabilitationsträger Stellung, ob Werkstattleistungen oder andere Leistungen, etwa Unterstützte Beschäftigung, in Betracht kommen (§ 2 Abs. 2 WVO). Soweit ein Teilhabeplan- oder Gesamtplanverfahren durchgeführt wird, wird der Fachausschuss nicht tätig (§ 2 Abs. 1a WVO).

Übergänge: Praktika, Budget für Arbeit, Unterstützte Beschäftigung

Vorrangiges Ziel des Fachkonzepts ist der allgemeine Arbeitsmarkt: Erprobungs- und Qualifizierungsangebote in Betrieben sind standardmäßig zu ermöglichen, betriebliche Praktika verbindlicher Teil des BBB (BA, 2025, S. 8, 25). Der Übergang in den Arbeitsbereich kann alternativ angestrebt werden, wenn eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aus Gründen in der Person nicht möglich ist oder von ihr nicht angestrebt wird (BA, 2025, S. 9). Als weitere Instrumente nennt es unter anderem die Unterstützte Beschäftigung nach § 55 SGB IX und das Budget für Arbeit nach § 61 SGB IX (BA, 2025, S. 9 f.); das Budget für Arbeit setzt einen Anspruch auf Leistungen im Arbeitsbereich nach § 58 SGB IX voraus (§ 61 Abs. 1 SGB IX). Dazu lesen Sie Unterstützte Beschäftigung § 55 SGB IX und Budget für Arbeit (§ 61 SGB IX).

Praxisbeispiel (fiktiv): Ein Teilnehmer im ersten BBB-Jahr möchte in einer Gärtnerei arbeiten. Seine Bildungsbegleiterin hält den Wunsch im Eingliederungsplan fest, vereinbart mit ihm und seiner gesetzlichen Vertretung ein Praktikum in einer örtlichen Gärtnerei und legt Teilziele für Ausdauer und Arbeitsorganisation fest. Danach werten beide das Praktikum aus und schreiben den Plan fort. Ob ein Übergang in Frage kommt, entscheidet sie nicht allein.

Häufige Fragen zur Bildungsbegleitung im BBB

Was macht ein Bildungsbegleiter im Berufsbildungsbereich?

Nach dem BA-Fachkonzept ist er die benannte, dauerhafte Bezugsperson einer teilnehmenden Person und verantwortet die Eingliederungsplanung (BA, 2025, S. 18).

Wie lange dauern Eingangsverfahren und Berufsbildungsbereich?

Eingangsverfahren drei Monate (verkürzbar auf bis zu vier Wochen), Berufsbildungsbereich zwei Jahre, in der Regel zunächst für ein Jahr bewilligt (§ 57 Abs. 2 und 3 SGB IX).

Welche Qualifikation brauchen Fachkräfte im Berufsbildungsbereich?

Nach § 9 Abs. 3 WVO sollen sie in der Regel Facharbeiter, Gesellen oder Meister mit mindestens zweijähriger Berufserfahrung sein; sie müssen pädagogisch geeignet sein und eine sonderpädagogische Zusatzqualifikation haben, die nachgeholt werden kann. Den Begriff „Bildungsbegleiter“ nennt die Verordnung nicht.

Was gehört in den Eingliederungsplan?

Unter anderem der namentlich benannte Bildungsbegleitende, gemeinsam erarbeitete Ziele und Schritte, der Unterstützungsbedarf sowie Anzahl und Dauer der Betriebspraktika (BA, 2025, S. 18 f.).

Wer entscheidet über die Aufnahme in den Berufsbildungsbereich?

Der zuständige Rehabilitationsträger, in der Regel die Bundesagentur für Arbeit (§ 63 Abs. 1 SGB IX). Der Fachausschuss gibt vor der Aufnahme eine Stellungnahme ab (§ 2 Abs. 2 WVO), soweit kein Teilhabeplan- oder Gesamtplanverfahren durchgeführt wird (§ 2 Abs. 1a WVO). Die Werkstatt entscheidet nicht allein über die Leistung.

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Zum Selbstlernkurs: Bildungsbegleitung im Berufsbildungsbereich (BBB) der WfbM →
Rechtsstand und Grenzen dieses Beitrags

Rechtsstand: November 2026 (Abruf der Normen und des Fachkonzepts am 3. November 2026). Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Welche Vorgaben für Ihre Tätigkeit gelten, legen Gesetz, Kostenträger und Ihr Träger fest. Die Anlagen des Fachkonzepts (u. a. Anlage 4, Anerkennungsanforderungen) und Landesregelungen wurden nicht ausgewertet.

Quellen

Bundesagentur für Arbeit. (2025). Fachkonzept für Eingangsverfahren und Berufsbildungsbereich (§ 57 SGB IX) (Stand November 2025) [Fachkonzept]. https://www.arbeitsagentur.de/datei/fachkonzept-fuer-eingangsverfahren-und-berufsbildungsbereich-p-57-sgb-9_ba055123.pdf

Sozialgesetzbuch Neuntes Buch. (2026). § 55 Unterstützte Beschäftigung. Vom 23. Dezember 2016 (BGBl. I S. 3234), zuletzt geändert durch Artikel 2b des Gesetzes vom 24. Juli 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 228). Bundesministerium der Justiz. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__55.html

Sozialgesetzbuch Neuntes Buch. (2026). § 57 Leistungen im Eingangsverfahren und im Berufsbildungsbereich. Vom 23. Dezember 2016 (BGBl. I S. 3234), zuletzt geändert durch Artikel 2b des Gesetzes vom 24. Juli 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 228). Bundesministerium der Justiz. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__57.html

Sozialgesetzbuch Neuntes Buch. (2026). § 61 Budget für Arbeit. Vom 23. Dezember 2016 (BGBl. I S. 3234), zuletzt geändert durch Artikel 2b des Gesetzes vom 24. Juli 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 228). Bundesministerium der Justiz. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__61.html

Sozialgesetzbuch Neuntes Buch. (2026). § 63 Zuständigkeit nach den Leistungsgesetzen. Vom 23. Dezember 2016 (BGBl. I S. 3234), zuletzt geändert durch Artikel 2b des Gesetzes vom 24. Juli 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 228). Bundesministerium der Justiz. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__63.html

Werkstättenverordnung. (2026). §§ 2, 3, 4, 9, 11. Verordnung vom 13. August 1980 (BGBl. I S. 1365), zuletzt geändert durch Artikel 13 des Gesetzes vom 2. Juni 2021 (BGBl. I S. 1387). Bundesministerium der Justiz. https://www.gesetze-im-internet.de/schwbwv/index.html

Stand: November 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Hinweis: Dieser Fachartikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und quellenbasiert aufbereitet. Stand: 11/2026.