Rechtsextremismus erkennen und begegnen: Wissen für die Soziale Arbeit
Rechtsextreme Parolen im Jugendtreff, Symbole auf dem Schulhof, menschenfeindliche Kommentare in sozialen Medien: Fachkräfte der Sozialen Arbeit begegnen Rechtsextremismus in vielen Arbeitsfeldern. Um angemessen zu reagieren, braucht es Wissen über Ideologie und Szene – und eine klare professionelle Haltung, die sich an Menschenwürde und Demokratie orientiert.
Dieser Beitrag stützt sich auf die Veröffentlichungen des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), insbesondere den Verfassungsschutzbericht 2025, der am 30. Juni 2026 vorgestellt wurde. Er richtet sich an Fachkräfte in Jugendarbeit, Schule, Jugendhilfe, Beratung und Bildung.
- Kern des Rechtsextremismus ist die Vorstellung, die Zugehörigkeit zu einer Ethnie oder Nation entscheide über den Wert eines Menschen (BfV).
- Das rechtsextremistische Personenpotenzial lag 2025 bei 58.700 Personen, rund 17 % mehr als im Vorjahr (BfV, 2026).
- 15.600 davon gelten als gewaltorientiert (2024: 15.300).
- Die Zahl rechtsextremistischer Gewalttaten stieg 2025 auf 1.395 (2024: 1.281), ein Plus von rund 8,9 %.
- Soziale Arbeit setzt auf Prävention, klare Haltung, Beziehung und Kooperation mit spezialisierten Beratungsstellen.
Was ist Rechtsextremismus?
Nach der Darstellung des BfV gehen Rechtsextremisten davon aus, dass die Zugehörigkeit zu einer Ethnie oder Nation über den Wert eines Menschen entscheidet. Nationalismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wie Rassismus und Antisemitismus prägen ihre Agitation. Dieses Werteverständnis steht in einem fundamentalen Widerspruch zum Grundgesetz, das die Würde jedes Menschen in den Mittelpunkt stellt; hinzu kommen häufig ein autoritäres Staatsverständnis und die Ablehnung der Gewaltenteilung (BfV, o. J.-a).
Für die pädagogische Arbeit ist wichtig: Nicht jede problematische Äußerung macht einen Menschen zum Rechtsextremisten. Zwischen ersten Vorurteilen, menschenfeindlichen Einstellungen und einem geschlossenen Weltbild liegt ein Prozess – und an jeder Stelle gibt es Ansatzpunkte. Den Begriff und seine Abgrenzung zu Rechtspopulismus vertieft der Kurs Rechtsextremismus verstehen; die Gemeinsamkeiten von Rassismus, Antisemitismus und anderen Abwertungen der Kurs Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung.
Erscheinungsformen
Das BfV unterscheidet mehrere Erscheinungsformen (BfV, o. J.-a):
| Erscheinungsform | Merkmale laut BfV |
|---|---|
| Rechtsextremistische Parteien | Streben parlamentarischen Einfluss über Wahlen an. |
| Neonazis | Orientieren sich am historischen Nationalsozialismus und streben einen autoritären Staat nach dem Führerprinzip an; oft in lockeren Strukturen organisiert. |
| Subkulturell geprägte Rechtsextremisten | Meist nicht organisiert; Zugehörigkeit über Erscheinungsbild, Kleidung und Musik; Gewalt ist ein wesentlicher Bestandteil der Szene. |
| Sonstige, u. a. Teile der „Neuen Rechten“ | Bekenntnis zum sogenannten Ethnopluralismus, also zum Ideal ethnisch und kulturell homogener Staaten. |
Bei der Vorstellung des Berichts 2025 hob das BfV hervor, dass Rekrutierung und Radikalisierung vor allem im Internet stattfinden (BfV, 2026). Fachkräfte sollten deshalb auch digitale Lebenswelten junger Menschen im Blick haben; hilfreich sind dazu die Beiträge Verschwörungserzählungen bei Jugendlichen und Islamismusprävention: Radikalisierung erkennen.
Aktuelle Zahlen: Verfassungsschutzbericht 2025
Das rechtsextremistische Personenpotenzial ist nach Abzug von Mehrfachzuordnungen auf 58.700 Personen gestiegen (2024: 50.250), ein Plus von rund 17 %. Als gewaltorientiert stuft das BfV 15.600 Personen ein (2024: 15.300) (BfV, 2026). Insgesamt wurden 2025 36.951 rechtsextremistische Straf- und Gewalttaten registriert (2024: 37.835); die Zahl der Gewalttaten stieg auf 1.395 (2024: 1.281), das entspricht rund 8,9 % (BfV, o. J.-b).
Zahlen zeigen Entwicklungen, sagen aber nichts über einzelne Jugendliche. Gerade junge Menschen, die sich in Szenen bewegen, sind oft auf der Suche nach Anerkennung, Zugehörigkeit und Orientierung. Warum Menschen in rechtsextreme Milieus geraten, behandelt der Kurs Ursachen und Einstiegsprozesse.
Pädagogisch handeln: Haltung, Prävention, Kooperation
In der Praxis haben sich einige Grundsätze bewährt, die Sie im Team konkretisieren können:
- Klare Haltung zeigen: Menschenverachtende Aussagen werden nicht unwidersprochen hingenommen. Grenzen werden benannt, ohne die Beziehung zur Person aufzugeben.
- Betroffene schützen: Wer von Abwertung betroffen ist, hat Vorrang. Hausordnungen und Regeln im Team machen deutlich, was nicht geduldet wird.
- Ins Gespräch kommen: Hinter Parolen stehen oft Erfahrungen von Ausgrenzung oder Ohnmacht. Nachfragen statt belehren kann Zugang schaffen.
- Präventiv arbeiten: Demokratiebildung, Beteiligung und Begegnung stärken junge Menschen, bevor sich Einstellungen verfestigen.
- Kooperieren: Für Ausstiegsbegleitung und Betroffenenberatung gibt es spezialisierte Stellen. Fachkräfte müssen nicht alles selbst leisten.
Methoden und Qualitätsmerkmale der Prävention zeigt der Kurs Pädagogische Ansätze und Prävention, Wege aus der Szene und die Perspektive Betroffener der Kurs Ausstieg, Distanzierung und Betroffenenberatung. Zu verwandten Themen siehe die Kurse Antisemitismus erkennen und begegnen und Rassismuskritik und Antidiskriminierung in der Sozialen Arbeit.
Häufige Fragen
Was ist Rechtsextremismus?
Rechtsextremismus beruht auf der Vorstellung, die Zugehörigkeit zu einer Ethnie oder Nation entscheide über den Wert eines Menschen. Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus prägen ihn; er steht im Widerspruch zur Menschenwürde des Grundgesetzes.
Wie viele Rechtsextremisten gibt es in Deutschland?
Laut Verfassungsschutzbericht 2025 lag das rechtsextremistische Personenpotenzial bei 58.700 Personen, davon 15.600 gewaltorientiert.
Wie reagiere ich auf rechtsextreme Sprüche von Jugendlichen?
Widersprechen Sie klar und benennen Sie Grenzen, ohne die Beziehung abzubrechen. Schützen Sie Betroffene, suchen Sie später das Gespräch und holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung von spezialisierten Beratungsstellen.
Was können Einrichtungen vorbeugend tun?
Klare Hausregeln gegen Diskriminierung, Demokratiebildung und Beteiligung, Fortbildung des Teams und Kontakte zu Beratungsstellen helfen, früh und sicher zu handeln.
Die fünf Selbstlernkurse „Rechtsextremismus begegnen“ führen von Begriff und Ursachen über gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bis zu Prävention, Ausstieg und Betroffenenberatung. Sie lernen im eigenen Tempo und erhalten nach Bearbeitung aller Module eine Teilnahmebescheinigung.
Alle Selbstlernkurse Rechtsextremismus begegnen →Bundesamt für Verfassungsschutz. (2026, 30. Juni). Verfassungsschutzbericht 2025 vorgestellt [Pressemitteilung]. https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2026/pressemitteilung-2026-vsb-2025.html
Bundesamt für Verfassungsschutz. (o. J.-a). Rechtsextremismus: Begriff und Erscheinungsformen. https://www.verfassungsschutz.de/DE/themen/rechtsextremismus/begriff-und-erscheinungsformen/…
Bundesamt für Verfassungsschutz. (o. J.-b). Rechtsextremismus: Zahlen und Fakten. https://www.verfassungsschutz.de/DE/themen/rechtsextremismus/zahlen-und-fakten/…
Stand: Oktober 2026.
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Redaktion GermanSocialLab – fachlich verantwortet von einem staatlich anerkannten Arbeitserzieher mit langjähriger Erfahrung in der pädagogischen und sozialen Arbeit.
Die Inhalte werden mit KI-Unterstützung erstellt, quellenbasiert aufbereitet und redaktionell verantwortet. Sie dienen der fachlichen Orientierung und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.