Modul 5 — Genogramm in der Praxis
Genogramm in der Praxis
Zum Abschluss geht es ums Anwenden: Wie erstellt man ein Genogramm gemeinsam im Gespräch, mit welcher Haltung, und wo liegen Chancen und Grenzen? Dieses Modul macht Sie startklar für die eigene Praxis.
- ein Genogramm im Gespräch erstellen
- die richtige Haltung dabei einnehmen
- Chancen und Grenzen der Methode einschätzen
- Datenschutz und Sensibilität beachten
- 1. Genogramm ist Gespräch
- 2. Schritt für Schritt vorgehen
- 3. Die richtige Haltung
- 4. Chancen und Grenzen
- 5. Sensibilität & Datenschutz
- 6. Ein häufiger Irrtum
- 7. Näher betrachtet: ein Fall
- 8. Was das für die Praxis heißt
- 9. Übungen
- 10. Wie geht es weiter?
1. Genogramm ist Gespräch
Ein Genogramm entsteht nicht am Schreibtisch über jemanden, sondern im Gespräch mit der Person. Das gemeinsame Zeichnen ist der eigentliche Wert: Während man fragt und einzeichnet, kommen Geschichten, Zusammenhänge und Gefühle zur Sprache. Das Blatt Papier ist dabei ein gemeinsamer Dritter — man schaut zusammen darauf, statt sich gegenüberzusitzen.
2. Schritt für Schritt vorgehen
Ein bewährter Ablauf hilft, das Gespräch zu strukturieren — ohne es zum Verhör zu machen.
mit der Indexperson beginnen | → | Eltern & Geschwister ergänzen | → | Großeltern hinzufügen | → | Beziehungen einzeichnen | → | Ressourcen & Muster besprechen |
Man beginnt bei der Person selbst, ergänzt Schritt für Schritt Eltern, Geschwister und Großeltern, und zeichnet dann die Beziehungen ein. Zum Schluss schaut man gemeinsam auf das Bild: Was fällt auf? Welche Stärken, welche Muster? Das Tempo bestimmt die Person — nicht jedes Feld muss ausgefüllt werden.
3. Die richtige Haltung
Entscheidend ist die Haltung. Genogrammarbeit berührt Persönliches, manchmal Schmerzhaftes. Deshalb gelten dieselben Grundsätze wie für jedes gute Gespräch:
Neugier statt Bewertung interessiert fragen, nicht urteilen | Tempo der Person nichts erzwingen, Pausen zulassen |
Wertschätzung auch schwierige Familien respektieren | Ressourcenblick Stärken aktiv würdigen |
4. Chancen und Grenzen
Das Genogramm ist ein wunderbares Werkzeug — aber kein Allheilmittel. Ehrlich betrachtet hat es Chancen und Grenzen, die man kennen sollte.
Wichtig: Wenn beim Zeichnen belastende Themen aufbrechen (Gewalt, Trauma, tiefe Konflikte), ist das ein Signal, behutsam zu sein und ggf. weitere Unterstützung einzubeziehen. Das Genogramm öffnet Türen — es muss nicht alles auf einmal bearbeitet werden.
5. Sensibilität & Datenschutz
Ein Genogramm enthält hochsensible persönliche Daten — über die Person und über Dritte (Familienmitglieder). Deshalb gelten klare Regeln: nur mit Einverständnis arbeiten, sicher aufbewahren, nicht ohne Weiteres weitergeben und die datenschutzrechtlichen Vorgaben der Einrichtung beachten. Die Person entscheidet mit, was aufgeschrieben wird — und was nicht.
6. Ein häufiger Irrtum
7. Näher betrachtet: ein Fall
8. Was das für die Praxis heißt
Für Ihre Praxis fassen wir zusammen: Erstellen Sie Genogramme gemeinsam im Gespräch, Schritt für Schritt, im Tempo der Person. Bringen Sie eine Haltung von Neugier und Wertschätzung mit und achten Sie aktiv auf Ressourcen. Kennen Sie die Grenzen — das Genogramm ersetzt keine Therapie — und behandeln Sie die Daten mit größter Sensibilität und Datenschutz. Dann ist das Genogramm eines der wirksamsten und zugleich einfachsten Werkzeuge, die Ihnen zur Verfügung stehen.
9. Übungen
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- Ein Genogramm entsteht gemeinsam im Gespräch — das Erarbeiten ist der eigentliche Wert.
- Bewährter Ablauf: Indexperson → Eltern/Geschwister → Großeltern → Beziehungen → Ressourcen/Muster.
- Haltung: Neugier statt Bewertung, Tempo der Person, Wertschätzung, Ressourcenblick.
- Chancen (Überblick, Muster, Gesprächseinstieg) und Grenzen (kein Therapieersatz, Deutungen) kennen.
- Sensible Daten: nur mit Einverständnis, Schweigepflicht und Datenschutz beachten.
10. Wie geht es weiter?
Herzlichen Glückwunsch — Sie kennen jetzt die Grundlagen der Genogrammarbeit und können Ihr erstes eigenes Genogramm zeichnen! Wenn Sie tiefer in systemisches Arbeiten und Fallverstehen einsteigen möchten, bauen unsere weiterführenden Kurse darauf auf.
Dieser Grundlagenkurs war ein Einstieg. Vertiefen können Sie das Thema in unseren aufbauenden Fortbildungen im E-Learning-Bereich — etwa zu systemischer Beratung, Traumasensibler Arbeit oder Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII). Fundiert, flexibel und mit Teilnahmebescheinigung.
Die fachlichen Grundlagen stützen sich auf die genannte Standardliteratur. Namen in den Fallbeispielen sind frei erfunden und dienen nur der Veranschaulichung.
- McGoldrick, M., Gerson, R. & Petry, S.: Genogramme in der Familienberatung. Bern: Hogrefe (dt. Ausgabe des Standardwerks).
- McGoldrick, M. & Gerson, R. (1985): Genograms: Assessment and Intervention. New York: W. W. Norton (Erstausgabe des Genogramm-Standardwerks).
- Bowen, M.: Family Therapy in Clinical Practice — Grundlage der Mehrgenerationenperspektive (Bowen’sche Familiensystemtheorie).
- socialnet Lexikon: Genogramm. In: socialnet Lexikon. Bonn: socialnet (abgerufen 2025).