Modul 2 · ca. 45 Min.

Die Grundsymbole

Jedes Genogramm besteht aus wenigen, klaren Symbolen. Wer sie kennt, kann jede Familie aufzeichnen — und jedes Genogramm lesen. Dieses Modul führt die Grundsymbole ein: Personen, Alter, Verstorbene.

Lernziele – nach diesem Modul kannst du …
  • die Grundsymbole für Personen kennen
  • Alter, Geburts- und Sterbedaten eintragen
  • Verstorbene korrekt darstellen
  • die wichtigsten Zeichenregeln anwenden
In diesem Modul
  • 1. Eine einfache Bildsprache
  • 2. Personen: Quadrat und Kreis
  • 3. Namen, Alter und Daten
  • 4. Verstorbene Personen
  • 5. Die wichtigsten Zeichenregeln
  • 6. Ein häufiger Irrtum
  • 7. Näher betrachtet: ein Fall
  • 8. Was das für die Praxis heißt
  • 9. Übungen

1. Eine einfache Bildsprache

Das Schöne am Genogramm ist seine Einfachheit: Mit einer Handvoll standardisierter Symbole lässt sich jede Familie darstellen — und weil die Symbole international üblich sind (McGoldrick & Gerson), kann jede Fachkraft ein Genogramm lesen. Beginnen wir mit den wichtigsten Bausteinen.

2. Personen: Quadrat und Kreis

Die beiden wichtigsten Symbole stehen für einzelne Personen. Nach der Standardnotation gilt: Ein Quadrat steht für eine männliche Person, ein Kreis für eine weibliche Person.

Mann
(Quadrat)
Frau
(Kreis)

Die Person, um die es geht (die sogenannte Indexperson oder Klient:in), wird oft durch eine doppelte Linie oder etwas dicker hervorgehoben, damit man im Genogramm sofort sieht, um wen es geht. Ist das Geschlecht unbekannt oder nicht binär, wird häufig eine andere Form (z. B. eine Raute) genutzt und beschriftet — wichtig ist, dass die Legende klar ist.

Konsistenz vor Perfektion
Es gibt kleinere Abweichungen zwischen den Vorlagen (etwa bei Farben oder Zusatzsymbolen). Entscheidend ist, dass Sie konsistent bleiben und bei Bedarf eine kurze Legende dazuschreiben. Ein Genogramm muss auch für andere lesbar sein.

3. Namen, Alter und Daten

Die Symbole werden beschriftet. Üblich ist: der Name und das Alter in oder unter dem Symbol, Geburts- und Sterbejahr darüber oder daneben. So wird aus einem abstrakten Symbol eine konkrete Person. Das Alter ins Symbol zu schreiben hilft, Generationen und Abstände schnell zu erfassen.

Was an ein Personensymbol gehört
Symbol
Quadrat / Kreis
→
Name
z. B. „Leyla“
→
Alter
z. B. 42
→
Daten
geb./gest. bei Bedarf

4. Verstorbene Personen

Verstorbene werden im Genogramm nicht weggelassen — sie gehören oft zu den wichtigsten Personen einer Familiengeschichte. Man kennzeichnet sie, indem man das Symbol durchkreuzt (ein X im Quadrat/Kreis) und meist das Sterbejahr dazuschreibt.

lebender Mann
verstorbene Person
(durchkreuzt, mit Sterbejahr)
lebende Frau

Gerade Verstorbene können für eine Familie eine große Rolle spielen — ein früh verstorbener Elternteil, ein Kind, das die Familie verloren hat. Das Genogramm hält das fest und macht es besprechbar.

5. Die wichtigsten Zeichenregeln

Damit ein Genogramm lesbar wird, haben sich einige einfache Konventionen eingebürgert:

  1. Von oben nach unten: ältere Generationen oben, jüngere unten.
  2. Partner nebeneinander: Paare stehen auf einer Höhe, verbunden durch eine Linie.
  3. Kinder nach Alter: von links (ältestes) nach rechts (jüngstes).
  4. Mann links, Frau rechts: bei Paaren die übliche Anordnung (Konvention, keine Pflicht).
  5. Legende bei Besonderheiten: ungewöhnliche Symbole immer kurz erklären.

Symbol-Überblick

Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Genogramm-Symbole zusammen — als Nachschlagehilfe für die nächsten Module.

Struktur-Symbole
MannQuadrat
FrauKreis
Verstorbendurchkreuztes Symbol (mit Sterbejahr)
Indexpersondie Person, um die es geht (hervorgehoben)
Verbindungen
Ehedurchgezogene Verbindungslinie (mit Jahr)
Partnerschaftgestrichelt (unverheiratet)
Trennungein Schrägstrich über der Linie
Scheidungzwei Schrägstriche über der Linie
Kindsenkrechte Linie von der Paarlinie
Beziehungsqualität
eng / nahdoppelte Linie — besonders enge Bindung
normaltragfähige, gute Beziehung
distanziertwenig Kontakt, emotionale Distanz
konflikthaftZickzack — wiederkehrende Konflikte
abgebrochenKontaktabbruch („cut-off“)
🧠 Merkhilfe — so bleibt es hängen
Zwei Formen reichen zum Start: □ = Mann, ◯ = Frau. Durchgestrichen = verstorben. Alles Weitere baut nur darauf auf.
❓ Kurz nachgedacht
Wie stellen Sie eine verstorbene Großmutter dar, die 2019 gestorben ist?
Antwort anzeigen
Ein Kreis (weiblich), durchkreuzt (verstorben), mit dem Sterbejahr „2019“ daneben — und, wenn bekannt, Name und Geburtsjahr.

6. Ein häufiger Irrtum

✗ Häufiger Irrtum
„Verstorbene lässt man im Genogramm besser weg — das ist doch Vergangenheit.“
Tatsächlich: Im Gegenteil: Verstorbene gehören dazu und sind oft zentral. Ein früher Verlust, eine unverarbeitete Trauer oder die Rolle eines Verstorbenen können eine Familie bis heute prägen. Das Durchkreuzen hält sie respektvoll im Bild.

7. Näher betrachtet: ein Fall

📎 Fallbeispiel — Die drei Symbole genügen
Ein Auszubildender, Herr Bekele, soll im Praktikum ein erstes Genogramm zeichnen und ist unsicher. Seine Anleiterin beruhigt ihn: „Für den Anfang brauchst du nur drei Dinge — Quadrat für Männer, Kreis für Frauen, durchgestrichen für Verstorbene.“ Herr Bekele zeichnet die Familie einer Klientin: die Klientin (Kreis, hervorgehoben, 34), ihren Partner (Quadrat, 38), zwei Kinder darunter, die bereits verstorbene Mutter (durchkreuzter Kreis, 2018). Schon dieses schlichte Bild gibt der Anleiterin und ihm einen klaren Überblick — ganz ohne komplizierte Symbole.
Konstruiertes Beispiel zur Veranschaulichung — Namen und Situation sind frei erfunden.

8. Was das für die Praxis heißt

Für Ihre Arbeit heißt das: Sie brauchen keine künstlerische Begabung und keine Spezialsoftware. Mit Quadrat, Kreis und dem Durchkreuzen für Verstorbene können Sie sofort beginnen. Beschriften Sie mit Name und Alter, bleiben Sie konsistent und schreiben Sie bei Besonderheiten eine kurze Legende dazu. Wie Sie diese Personen nun zu Familien verbinden — Paare, Kinder, Generationen —, zeigt das nächste Modul.

9. Übungen

✎ Übung 1 — Die Grundsymbole
Welche Symbole stehen für einen Mann, eine Frau und eine verstorbene Person?
Lösungshinweis anzeigen
Mann = Quadrat, Frau = Kreis, verstorbene Person = durchkreuztes Symbol (mit Sterbejahr).
✎ Übung 2 — Beschriftung
Was schreibt man üblicherweise an ein Personensymbol?
Lösungshinweis anzeigen
Name und Alter (in/unter dem Symbol) sowie bei Bedarf Geburts- und Sterbejahr. So wird aus dem Symbol eine konkrete Person.
✎ Übung 3 — Verstorbene
Warum nimmt man Verstorbene ins Genogramm auf?
Lösungshinweis anzeigen
Weil sie für die Familie oft zentral sind (Verluste, Trauer, Rollen) und Muster bis heute prägen können. Man kennzeichnet sie durch Durchkreuzen.
✎ Übung 4 — Zeichenregeln
Nennen Sie drei Konventionen, die ein Genogramm lesbar machen.
Lösungshinweis anzeigen
Z. B.: ältere Generationen oben, jüngere unten; Paare nebeneinander mit Verbindungslinie; Kinder von links (ältestes) nach rechts (jüngstes); Besonderheiten mit Legende erklären.
Das Wichtigste in Kürze
  • Grundsymbole: Quadrat = Mann, Kreis = Frau, durchkreuzt = verstorben.
  • Personen werden mit Name, Alter und ggf. Geburts-/Sterbejahr beschriftet.
  • Die Indexperson (Klient:in) wird hervorgehoben.
  • Zeichenregeln: Generationen von oben nach unten, Paare nebeneinander, Kinder nach Alter, Legende bei Besonderheiten.

Quellen & weiterführende Literatur

Die fachlichen Grundlagen stützen sich auf die genannte Standardliteratur. Namen in den Fallbeispielen sind frei erfunden und dienen nur der Veranschaulichung.

  • McGoldrick, M., Gerson, R. & Petry, S.: Genogramme in der Familienberatung. Bern: Hogrefe (dt. Ausgabe des Standardwerks).
  • McGoldrick, M. & Gerson, R. (1985): Genograms: Assessment and Intervention. New York: W. W. Norton (Erstausgabe des Genogramm-Standardwerks).
  • socialnet Lexikon: Genogramm. In: socialnet Lexikon. Bonn: socialnet (abgerufen 2025).
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Last modified: Sunday, 18 October 2026, 8:54 PM