Lösungsorientierte Beratung: Wunderfrage & Skalierung
Lösungsorientierte Beratung: Fortbildung zu Wunderfrage, Skalierung und Gesprächsführung
Lösungsorientierte Beratung ist ein Gesprächsansatz, der nach Zielen, Ausnahmen und Stärken fragt, statt Problemursachen ausführlich zu analysieren; eine Fortbildung dazu vermittelt vor allem Fragetechniken wie die Wunderfrage und Skalierungsfragen. Wer nach „Lösungsorientierte Beratung Fortbildung“ sucht, will meist wissen, wie diese Techniken im Beratungsalltag der Sozialen Arbeit sicher gelingen.
Seine Wurzeln liegen in der lösungsfokussierten Kurzzeittherapie, geprägt vor allem durch Steve de Shazer und eng verbunden mit dem Wirken von Insoo Kim Berg. Für die Soziale Arbeit ist das attraktiv: Die Fragen sind klar strukturiert, und Ratsuchende gelten als Fachleute für ihren eigenen Alltag. Therapie ersetzt der Ansatz nicht – er ist ein Werkzeug systemischer Gesprächsführung für viele Arbeitsfelder.
- Blickrichtung: Ziele, Ausnahmen und Ressourcen statt ausführlicher Problemanalyse.
- Zentrale Werkzeuge: Wunderfrage, Ausnahmefragen, Skalierungsfragen, Bewältigungsfragen und Komplimente.
- Leitidee: Ziele der Person klären, Gelingendes verstärken, Wirkungsloses lassen.
- Rechtlicher Rahmen u. a. §§ 8, 28 und 65 SGB VIII sowie § 106 SGB IX.
- Der Kinderschutz nach § 8a SGB VIII hat stets Vorrang vor der Methode.
Was ist lösungsorientierte Beratung?
Grundannahme ist: Menschen bringen Stärken und Erfahrungen mit, aus denen eigene Lösungen wachsen können. Beratung weckt diese Kräfte, statt Defizite aufzulisten (de Shazer & Dolan, 2018). Auch Bamberger (2025) rückt Ressourcen und Potenziale in den Mittelpunkt, setzt auf Lösungssuche statt Problemanalyse und gliedert die Beratung in Phasen.
Ein Leitgedanke aus de Shazers Arbeit lässt sich knapp zusammenfassen: Wenn bekannt ist, was funktioniert, sollte man damit weitermachen (de Shazer, 2019). Roessler (2012) gibt, gestützt auf Walter und Peller, drei Grundregeln wieder: „1. Finde heraus, was die Klientin will. 2. Suche nach dem, was funktioniert, und mache mehr davon. 3. Wenn etwas nicht funktioniert, mache etwas anderes.“
Systemische Gesprächsführung in der Sozialen Arbeit: die wichtigsten Fragen
Das lösungsfokussierte Interview setzt sich nach De Jong und Berg (2014) aus mehreren Bausteinen zusammen. Die Fachkraft nimmt eine Haltung des Nicht-Wissens ein und führt, indem sie einen Schritt zurücktritt. Zum Grundrepertoire gehören folgende Fragen und Interventionen:
| Technik | Wozu sie dient | Mögliche Formulierung |
|---|---|---|
| Wunderfrage | ein Zielbild entwickeln | „Stellen Sie sich vor, heute Nacht geschieht ein Wunder, und das Problem, über das wir gerade sprechen, ist gelöst!“ – Woran würden Sie es morgen zuerst merken? |
| Ausnahmefragen | Situationen finden, in denen das Problem kleiner war | „Wann war es zuletzt ein wenig besser – und was war da anders?“ |
| Skalierungsfragen | Fortschritte und nächste Schritte greifbar machen | „Auf einer Skala von 0 bis 10: Wo stehen Sie heute? Was wäre ein Punkt mehr?“ |
| Bewältigungsfragen | in Krisen vorhandene Kräfte würdigen | „Wie haben Sie es geschafft, trotz allem durchzuhalten?“ |
| Komplimente | zum Gesprächsende Stärken zurückmelden | „Mir ist aufgefallen, wie genau Sie beschreiben, was Ihnen wichtig ist.“ |
Wunderfrage und Skalierungsfragen gezielt einsetzen
Die Wunderfrage entfaltet ihren Nutzen vor allem durch das Nachfragen: Was wäre anders? Wer würde es zuerst bemerken? So entstehen konkrete, beobachtbare – in der Fachsprache „wohlformulierte“ – Ziele. Skalierungsfragen übersetzen diese Ziele in kleine Schritte. Hilfreich ist, nicht nach dem großen Sprung, sondern nach dem nächsten realistischen Schritt zu fragen. Die ältere Einteilung von Klient:innen in Beziehungstypen haben De Jong und Berg in der aktuellen Auflage zugunsten einer stärkeren Zielorientierung aufgegeben.
Lösungsorientierte Beratung mit Kindern, in der Schule und im Zwangskontext
Für Kinder haben Steiner und Berg (2019) die Methode angepasst; eine ihrer Leitfragen ist schlicht: „Was glaubst du, was helfen würde?“ Das passt zum Anspruch, Kinder und Jugendliche in verständlicher, nachvollziehbarer und wahrnehmbarer Form zu beraten (§ 8 Abs. 4 SGB VIII), und zu ihrem Recht, ihre Meinung frei zu äußern (Art. 12 UN-KRK). Auch in der Schulsozialarbeit nach § 13a SGB VIII lassen sich lösungsfokussierte Kurzberatungen gut einbinden; Inhalt und Umfang der Schulsozialarbeit regelt das jeweilige Landesrecht.
Nicht alle Klient:innen kommen freiwillig. Im Zwangskontext rät Roessler (2012), im Prinzip wie mit freiwillig Ratsuchenden zu arbeiten – mit noch mehr Gewicht auf Wertschätzung, Offenheit und klaren Aussagen dazu, welchen Auftrag die Institution hat und was auf dem Spiel steht. Freiwilligkeit und Unfreiwilligkeit versteht sie als Kontinuum, nicht als Entweder-oder.
Rechtlicher Rahmen: Vertrauen, Beteiligung, Kinderschutz
Die Methode selbst ist gesetzlich nicht geregelt, die Beratung aber schon. Erziehungsberatung nach § 28 SGB VIII hilft Familien bei persönlichen und familiären Problemen und in Erziehungsfragen, ausdrücklich mit Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen und Methoden. Junge Menschen dürfen sich laut § 8 SGB VIII auch ohne Wissen der Eltern beraten lassen, wenn deren Information das Ziel der Beratung gefährden würde. In der Eingliederungshilfe berät der Träger nach § 106 SGB IX in wahrnehmbarer Form, auf Wunsch im Beisein einer Vertrauensperson; ergänzend gibt es die unabhängige Teilhabeberatung nach § 32 SGB IX, die keine Rechtsberatung leistet.
Anvertrautes ist besonders geschützt: § 65 SGB VIII gilt für Mitarbeitende der öffentlichen Jugendhilfe, für viele Berufsgruppen greift zudem die strafrechtliche Schweigepflicht nach § 203 StGB. Und: Keine Fragetechnik ersetzt die Gefährdungseinschätzung. Gibt es ernsthafte Hinweise, dass ein Kind gefährdet ist, folgt die Fachkraft dem Schutzauftrag des § 8a SGB VIII und zieht eine insoweit erfahrene Fachkraft hinzu.
Häufige Fragen
Ist lösungsorientierte Beratung dasselbe wie systemische Therapie?
Nein. Der Ansatz leiht sich Fragen aus der Kurzzeittherapie, bleibt aber Beratung im jeweiligen Arbeitsfeld. Eine Fortbildung dazu berechtigt nicht zur Psychotherapie und ist keine Weiterbildung im Sinne der Fachverbände.
Was unterscheidet Wunderfrage und Skalierungsfrage?
Die Wunderfrage öffnet den Blick auf ein Zielbild: Wie sähe das Leben ohne das Problem aus? Skalierungsfragen machen den Weg dorthin messbar und helfen, den nächsten kleinen Schritt zu benennen. Beide ergänzen sich gut.
Eignet sich der Ansatz für die Arbeit mit Kindern?
Ja, wenn Sprache und Methoden an das Alter angepasst werden. Steiner und Berg (2019) zeigen, wie kindgerechte Fragen den gesamten Prozess begleiten – vom Kennenlernen bis zum Rückblick auf die Ziele.
Was gilt bei Hinweisen auf eine Kindeswohlgefährdung?
Dann hat der Schutzauftrag Vorrang: Die Gefährdung wird nach § 8a SGB VIII eingeschätzt, eine insoweit erfahrene Fachkraft berät. Lösungsorientierte Fragen können Gespräche stützen, dieses Verfahren aber nie ersetzen.
Der Selbstlernkurs vertieft Haltung, Fragetechniken und rechtlichen Rahmen in 8 Modulen mit Fallbeispielen, Gesprächsübungen und einem Wissencheck – im eigenen Tempo. Wer alle Module bearbeitet hat, bekommt eine Teilnahmebescheinigung.
Zum Selbstlernkurs: Lösungsorientierte Beratung – systemische Gesprächsführung →Bamberger, G. G. (2025). Lösungsorientierte Beratung: Praxishandbuch (7., neu ausgestattete Aufl.). Beltz.
de Shazer, S. (2019). Der Dreh: Überraschende Wendungen und Lösungen in der Kurzzeittherapie (14. Aufl.; S. Hofmeister & B. Hofmeister, Übers.). Carl-Auer. (Originalwerk: Clues)
de Shazer, S., & Dolan, Y. M. (2018). Mehr als ein Wunder: Lösungsfokussierte Kurztherapie heute (6. Aufl.). Carl-Auer. (Originalwerk: More than miracles)
De Jong, P., & Berg, I. K. (2014). Lösungen (er)finden: Das Werkstattbuch der lösungsorientierten Kurztherapie (7., verb. u. erw. Aufl.). verlag modernes lernen. (Originalwerk: Interviewing for solutions)
Roessler, M. (2012). Beratung im Zwangskontext – Wertschätzung und Transparenz einsetzen, um Klientinnen und Klienten für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. In M. Hammerer, E. Kanelutti-Chilas & I. Melter (Hrsg.), Zukunftsfeld Bildungs- und Berufsberatung II: Das Gemeinsame in der Differenz finden (S. 151–166). wbv. https://netzwerk-ost.at/publikationen/pdf/publikationen_Beratung_im_Zwangskontext_Marianne_Roessler.pdf
Steiner, T., & Berg, I. K. (2019). Handbuch lösungsorientiertes Arbeiten mit Kindern (8. Aufl.; A. Hildenbrand, Übers.). Carl-Auer.
Stand: September 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.