Fachwissen · Bildung & frühkindliche Förderung

Pädagogische Ansätze in der Kita: Montessori, Reggio, Situationsansatz und mehr im Überblick

Welche Kita-Konzepte es gibt, woher sie stammen und wie sie mit Gesetz und Bildungsplänen zusammenhängen.

Pädagogische Ansätze in der Kita sind fachlich begründete Leitbilder, die beschreiben, wie Kinder lernen, welche Rolle Erwachsene dabei übernehmen und wie Räume, Material und Tagesablauf gestaltet werden. Zu den bekanntesten zählen die Fröbel-, Montessori-, Waldorf- und Reggio-Pädagogik, der Situationsansatz, die offene Arbeit sowie das infans-Konzept.

Kein Ansatz ist gesetzlich vorgeschrieben, und keiner lässt sich seriös als „der beste“ einstufen. Entscheidend ist, dass eine Einrichtung ihre Haltung begründen kann und dass diese zum Förderungsauftrag, zum jeweiligen Landesbildungsplan und zu den Kindern vor Ort passt. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Kita-Konzepte ein und zeigt, worauf Sie beim Vergleich achten sollten.

Auf einen Blick
  • Ein Ansatz ist ein überregionales Leitbild; die Konzeption beschreibt dagegen die gelebte Praxis einer einzelnen Einrichtung.
  • § 22 SGB VIII verankert Erziehung, Bildung und Betreuung als gemeinsamen Förderungsauftrag.
  • Alle 16 Länder haben eigene Bildungspläne oder -programme mit unterschiedlicher Verbindlichkeit.
  • Fröbel gründete 1840 in Bad Blankenburg den ersten „Kindergarten“; Montessori eröffnete 1907 in Rom ihr erstes Kinderhaus.
  • Viele Häuser verbinden Elemente mehrerer Ansätze – das ist fachlich legitim, wenn es begründet ist.

Was pädagogische Ansätze in der Kita leisten – und was nicht

Ein Ansatz beantwortet Grundfragen – etwa, wie Kinder sich die Welt aneignen und wie viel Freiheit und Struktur sie brauchen – und prägt so Materialien, Projekte oder Raumgestaltung. Ein Ansatz ersetzt aber nicht die eigene Konzeption. Nach der Orientierungshilfe der Landesjugendämter gibt eine Konzeption einen Überblick über Grundpositionen, Ziele und die daraus abgeleiteten Strategien des Teams und wird auf Grundlage des Bundes- und Landesrechts sowie der Bildungspläne erarbeitet (BAG LJÄ, 2024).

Rechtlich ist der Rahmen weit gefasst. Nach § 22 Abs. 2 SGB VIII soll die Kita die Entwicklung zu einer selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit fördern. Die Förderung richtet sich laut Abs. 3 an Alter, Entwicklungsstand, Lebenssituation, Interessen und Bedürfnissen des einzelnen Kindes aus. § 22a SGB VIII nennt ausdrücklich eine pädagogische Konzeption als Grundlage der Qualitätsentwicklung, und nach § 45 SGB VIII ist sie mit dem Antrag auf Betriebserlaubnis vorzulegen. Welchen Ansatz ein Träger wählt, bleibt ihm überlassen.

Die wichtigsten Kita-Konzepte im Vergleich

AnsatzHerkunftTypische Merkmale
Fröbel-PädagogikFriedrich Fröbel, 1840 Bad BlankenburgSpielgaben, Spiel als Weg des Lernens; Ursprung des Begriffs „Kindergarten“
Montessori-PädagogikMaria Montessori, erstes Kinderhaus 1907 in Romkindgerechte Ausstattung, Sinnesmaterial mit eingebauter Fehlerkontrolle
WaldorfkindergartenRudolf Steiner; erster Kindergarten 1926 in StuttgartNachahmung und Vorbild, Rhythmus, wenig vorgeformtes Spielmaterial
Reggio-PädagogikReggio Emilia, 1960er/70er-Jahre, Loris Malaguzzi„hundert Sprachen“, Raum als „dritter Erzieher“, Projekte, Dokumentation
SituationsansatzDeutsches Jugendinstitut, Anfang der 1970er-JahreSchlüsselsituationen aus dem Leben der Kinder, Partizipation, Eltern als Partner
Offene ArbeitBasisbewegung der 1980er-JahreFunktionsräume, Kinder wählen Ort, Partner:innen und Dauer ihres Spiels
infans-KonzeptAndres & Laewen, 2011fünf Module u. a. zu Beobachtung, individuellen Curricula und Portfolio

Reggio-Pädagogik und Situationsansatz

Beide Ansätze stellen das Kind als aktiv Forschendes in den Mittelpunkt, setzen aber unterschiedliche Akzente. Die Reggio-Pädagogik legt großen Wert auf Ausdrucksvielfalt, Ateliers und sichtbare Dokumentation, etwa an „sprechenden Wänden“ (Knauf, 2017). Der Situationsansatz geht von Lebenssituationen aus, die Kinder tatsächlich beschäftigen, und bearbeitet sie in vier Schritten: erkunden, orientieren, handeln, nachdenken (Heller, 2013).

Offene Arbeit in der Kita

Offene Arbeit bedeutet mehr als geöffnete Türen. Aus Gruppenräumen werden Funktionsräume, und Kinder entscheiden selbst über ihr Spiel. Wichtig ist laut von der Beek (2018) die Trennung zwischen offener Arbeit und Altersmischung; dass große Häuser an Grenzen stoßen können und dass Kinder unter drei Jahren eigene Strukturen und Räume brauchen.

Praxisbeispiel: Das Team einer fiktiven Kita mit vier Gruppen möchte sich „offener“ aufstellen. In einer Teamsitzung klären die Fachkräfte zuerst ihr gemeinsames Bild vom Kind und prüfen, was ihr Landesbildungsplan dazu sagt. Sie entscheiden sich, für die älteren Kinder Funktionsräume einzurichten, während die Krippenkinder ihre vertraute Stammgruppe behalten. Regelmäßige Kinderkonferenzen greifen Themen der Kinder auf. Die Konzeption stimmt es danach mit Träger und Fachberatung ab.

Pädagogische Ansätze in der Kita und die Bildungspläne der Länder

Übergeordnet gilt der „Gemeinsame Rahmen der Länder für die frühe Bildung“, den Jugend- und Familienministerkonferenz und Kultusministerkonferenz beschlossen und 2021/2022 aktualisiert haben. Er erkennt das Spiel als elementare Lernform an und versteht Bildung als Ko-Konstruktion aller Beteiligten (JFMK & KMK, 2022). Die Länder konkretisieren diesen Rahmen in eigenen Bildungsplänen, etwa im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan oder im Berliner Bildungsprogramm; ihre Verbindlichkeit ist je nach Land verschieden geregelt (Deutscher Bildungsserver, o. J.).

Für die Praxis heißt das: Ein Ansatz ist die „Brille“, durch die ein Team den Bildungsplan umsetzt. Auf Bundesebene liegt zudem seit dem 2. September 2026 ein Kabinettsentwurf für ein KiTa-Startchancen- und -Qualitätsentwicklungsgesetz vor; geltendes Recht ist er noch nicht.

Worauf Fachkräfte und Quereinsteigende achten sollten

Wer neu in einer Einrichtung beginnt oder sich für eine Montessori-Fortbildung in der Kita interessiert, profitiert zunächst von einem breiten Überblick. Hilfreiche Leitfragen: Welches Bild vom Kind vertritt das Haus, wie werden Räume genutzt, und wie wirken Kinder und Eltern mit? Eine begründete Mischung mehrerer Ansätze ist fachlich vertretbar, wenn das Team sie gemeinsam trägt. Fragen zu Betriebserlaubnis oder Auflagen klären Sie mit Träger, Fachberatung und Landesjugendamt.

Häufige Fragen

Welcher pädagogische Ansatz ist der beste für eine Kita?

Eine seriöse Rangliste gibt es nicht. Jeder Ansatz setzt eigene Schwerpunkte und hat Grenzen. Maßgeblich ist, ob die Haltung zum Förderungsauftrag nach § 22 SGB VIII, zum Landesbildungsplan und zu den Kindern und Familien vor Ort passt.

Muss eine Kita nach einem bestimmten Ansatz arbeiten?

Nein. Das Gesetz verlangt eine pädagogische Konzeption, schreibt aber keinen bestimmten Ansatz vor. Viele Einrichtungen kombinieren Elemente verschiedener Konzepte und beschreiben das in ihrer Konzeption.

Was unterscheidet einen Ansatz von der Konzeption?

Ein Ansatz ist ein allgemeines, überregionales Leitbild. Die Konzeption ist das schriftliche Selbstverständnis einer bestimmten Einrichtung und beschreibt, wie das Team dort konkret arbeitet.

Vertiefen im Selbstlernkurs

Der Kurs stellt die Ansätze in 8 Modulen ausführlicher vor, verknüpft sie mit Fallbeispielen aus dem Kita-Alltag und enthält zu jedem Modul einen Wissenscheck. Sie lernen im eigenen Tempo und erhalten nach Bearbeitung aller Module eine Teilnahmebescheinigung.

Zum Selbstlernkurs: Pädagogische Ansätze in der Kita: Montessori, Reggio & Co. →
Quellen

Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter. (2024). Anforderungen an eine Einrichtungskonzeption für Kindertageseinrichtungen gemäß §§ 45 ff. SGB VIII: Orientierungshilfe. https://www.bag-landesjugendaemter.de/media/filer_public/f9/dc/f9dc22b6-0db0-4e9e-b6ef-da00905274d8/164-orientierungshilfe-kita-einrichtungskonzeption-ua-bf.pdf

Deutscher Bildungsserver. (o. J.). Bildungspläne der Bundesländer für die frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen. Abgerufen am 24. September 2026, von https://www.bildungsserver.de/elementarbildung/bildungsplaene-fuer-kitas-2027-de.html

Heller, E. (2013). Mit den Jüngsten die Lebenswelt erkunden und gestalten im Kontext des Situationsansatzes. KiTa Fachtexte. https://www.kita-fachtexte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/KiTaFT_heller_2013.pdf

Jugend- und Familienministerkonferenz & Kultusministerkonferenz. (2022). Gemeinsamer Rahmen der Länder für die frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen. https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2004/2004_06_03-Fruehe-Bildung-Kindertageseinrichtungen.pdf

Knauf, T. (2017). Reggio-Pädagogik. KiTa Fachtexte. https://www.kita-fachtexte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/KiTaFT_Knauf_2017_Reggio-Paedadogik_01.pdf

von der Beek, A. (2018). Offene Arbeit – Chancen und Grenzen. KiTa Fachtexte. https://www.kita-fachtexte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/KiTaFT_vdBeek_2018_offeneArbeit_ChancenundGrenzen.pdf

Stand: September 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Zuletzt geändert: Freitag, 25. September 2026, 10:34