Modul 3 — Die vier Phasen des AAT
Die vier Phasen des AAT
Ein Anti-Aggressivitäts-Training ist kein loses Bündel von Übungen, sondern ein strukturierter Prozess über mehrere Monate. Dieses Modul zeigt den typischen Aufbau in vier Phasen — von der Beziehung bis zur Nachsorge.
- den strukturierten Aufbau des AAT verstehen
- die vier Phasen benennen und beschreiben
- die Rolle von Zeit und Verbindlichkeit einordnen
- die Bedeutung der Reihenfolge nachvollziehen
- 1. Warum ein strukturierter Prozess?
- 2. Phase 1: Integration
- 3. Phase 2: Konfrontation
- 4. Phase 3: Coolness & Kompetenz
- 5. Phase 4: Reflexion & Nachsorge
- 6. Dauer und Verbindlichkeit
- 7. Ein häufiger Irrtum
- 8. Näher betrachtet: ein Fall
- 9. Was das für die Praxis heißt
- 10. Übungen
1. Warum ein strukturierter Prozess?
Verhaltensänderung braucht Zeit und einen klaren Rahmen. Das Anti-Aggressivitäts-Training ist deshalb als Prozess in aufeinander aufbauenden Phasen angelegt. Die Reihenfolge ist kein Zufall: Ohne eine tragfähige Beziehung (Phase 1) wäre die Konfrontation (Phase 2) schädlich; ohne Konfrontation gäbe es keinen Anlass für neue Kompetenzen (Phase 3); und ohne Nachsorge (Phase 4) verpuffte das Erreichte. In der Fachliteratur wird der Ablauf typischerweise in vier Phasen beschrieben (vgl. socialnet Lexikon; Weidner, 1990).
1. Integration Beziehung & Analyse | → | 2. Konfrontation die Tat ansehen | → | 3. Coolness / Kompetenz neue Wege üben | → | 4. Reflexion / Nachsorge sichern & begleiten |
2. Phase 1: Integration
Am Anfang steht nicht die Konfrontation, sondern die Beziehung. In der Integrationsphase geht es darum, Vertrauen aufzubauen, die Gruppe zusammenzuführen und ein Arbeitsbündnis zu schaffen. Zugleich beginnt die Analyse: Was löst bei den Teilnehmenden Aggression aus? Welche Situationen, welche „Auslöser“ (Trigger) führen zu Gewalt? Diese Grundlage ist unverzichtbar — ohne Vertrauen lässt sich in den späteren Phasen nichts erreichen.
3. Phase 2: Konfrontation
In der zweiten Phase rückt die Gewalttat selbst in den Mittelpunkt. Die Teilnehmenden werden mit ihren Taten und deren Folgen konfrontiert, ihre Rechtfertigungen und Neutralisierungen („Der wollte es so“, „Das war doch nicht so schlimm“) werden hinterfragt und aufgebrochen. Dies ist die anspruchsvollste und sensibelste Phase — hier kommt auch die bekannteste Methode zum Einsatz, der heiße Stuhl (ausführlich in Modul 4). Ziel ist der in Modul 2 beschriebene innere Konflikt.
4. Phase 3: Coolness & Kompetenz
Konfrontation allein genügt nicht — wer altes Verhalten aufgeben soll, braucht neue Handlungsmöglichkeiten. In der Coolness- oder Kompetenzphase werden Alternativen zur Gewalt erarbeitet und geübt: Provokationen aushalten („cool“ bleiben), sich beherrschen, Konflikte anders lösen. Häufig geschieht dies in körperbetonten Übungen und Rollenspielen, in denen Aggression bis zu einem gewissen Grad zugelassen und zugleich Selbstkontrolle trainiert wird.
5. Phase 4: Reflexion & Nachsorge
Die letzte Phase sichert das Erreichte. Der individuelle Fortschritt wird reflektiert, das Training ausgewertet und, wo vorgesehen, mit einer Bescheinigung abgeschlossen. Entscheidend ist die Nachsorge: Der Übergang zurück in den Alltag ist die kritische Phase, in der Rückfälle drohen. Begleitung, Ansprechpartner und Anschlusshilfen entscheiden mit darüber, ob die Veränderung trägt.
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6. Dauer und Verbindlichkeit
Ein AAT ist kein Wochenendseminar. In der Fachliteratur wird eine Mindestdauer von etwa vier bis sechs Monaten mit mindestens rund zwölf Stunden pro Teilnehmenden genannt (socialnet Lexikon). Diese Verbindlichkeit ist gewollt: Verfestigtes Gewaltverhalten lässt sich nicht in wenigen Sitzungen verändern. Zeit, Kontinuität und ein verlässlicher Rahmen gehören zur Wirksamkeit dazu.
7. Ein häufiger Irrtum
8. Näher betrachtet: ein Fall
9. Was das für die Praxis heißt
Für Ihr Verständnis heißt das: Denken Sie AAT als Prozess, nicht als Einzelmethode. Die Beziehung kommt zuerst, dann erst die Konfrontation; danach braucht es neue Kompetenzen und eine tragende Nachsorge. Respektieren Sie die nötige Dauer und Verbindlichkeit — schnelle Lösungen gibt es hier nicht. Die eindrücklichste und zugleich heikelste Methode des Trainings — der heiße Stuhl und die Arbeit mit der Opferperspektive — ist Thema des nächsten Moduls.
10. Übungen
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- Das AAT ist ein strukturierter Prozess in vier aufeinander aufbauenden Phasen.
- 1. Integration (Beziehung & Analyse), 2. Konfrontation (die Tat ansehen), 3. Coolness/Kompetenz (neue Wege), 4. Reflexion/Nachsorge.
- Die Reihenfolge ist zwingend: Beziehung vor Konfrontation, Kompetenzen und Nachsorge danach.
- Mindestdauer ca. 4–6 Monate, mind. ~12 Stunden pro Person — Verbindlichkeit ist gewollt.
- Das Coolness-Training ist der präventive, schulische Ableger.
Die Inhalte stützen sich auf die unten genannte Fachliteratur, Fachbeiträge und offizielle Statistiken. Wörtliche Zitate und Zahlen sind überprüft. Alle Schaubilder, Tabellen und Übersichten in diesem Kurs sind eigene Darstellungen (mit KI erstellt) — inhaltlich nach den angegebenen Quellen. Namen in den Fallbeispielen sind frei erfunden.
- Weidner, J. (1990): Anti-Aggressivitäts-Training für Gewalttäter. Ein deliktspezifisches Behandlungsangebot im Jugendvollzug. Bonn: Forum Verlag Godesberg. (Erstmals erprobt 1987 in der JVA Hameln.)
- socialnet Lexikon: Anti-Aggressivitäts-Training. Bonn: socialnet (abgerufen 2025). www.socialnet.de/lexikon
- Deutsches Institut für Konfrontative Pädagogik (DIKP): Grundlagen des Anti-Aggressivitäts-Trainings® (AAT®) und des Coolness-Trainings®. www.konfrontative-paedagogik.de
- Weidner, J. & Kilb, R. (Hrsg.): Konfrontative Pädagogik. Konfliktbearbeitung in Sozialer Arbeit und Erziehung. Wiesbaden: Springer VS (mehrere Auflagen).