Modul 1 — Was ist Antigewalt-Training? Einordnung & Abgrenzung
Was ist Antigewalt-Training? – Einordnung & Abgrenzung
Antigewalt-Training ist mehr als „hart durchgreifen“. Es ist ein fachlich fundierter Ansatz der Arbeit mit gewaltbereiten jungen Menschen. Dieser kostenlose Grundlagenkurs führt ein — wissenschaftlich gestützt und ehrlich in seinen Grenzen. Dieses Modul klärt Begriff, Ursprung und Abgrenzung.
- die gesellschaftliche Relevanz des Themas mit offiziellen Daten einordnen
- Antigewalt-Training und Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) begrifflich fassen
- Ursprung und Zielgruppe benennen (Weidner, JVA Hameln)
- AGT von Deeskalation klar abgrenzen
- 1. Warum Antigewalt-Arbeit? – ein Blick auf die Zahlen
- 2. Was ist Antigewalt-Training?
- 3. Ursprung und Zielgruppe
- 4. Abgrenzung: AGT ist nicht Deeskalation
- 5. Ehrliche Einordnung dieses Kurses
- 6. Ein häufiger Irrtum
- 7. Näher betrachtet: ein Fall
- 8. Was das für die Praxis heißt
- 9. Übungen
1. Warum Antigewalt-Arbeit? – ein Blick auf die Zahlen
Gewalt durch junge Menschen ist ein Thema, das Fachkräfte, Schulen und die Öffentlichkeit beschäftigt — und die offiziellen Zahlen geben Anlass, genau hinzusehen. Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2024 des Bundeskriminalamts registrierte die Polizei im Jahr 2024 rund 217.000 Fälle von Gewaltkriminalität — ein Anstieg von etwa 1,5 % gegenüber dem Vorjahr und laut BKA ein neuer Höchststand. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den jungen Tatverdächtigen: Bei den Jugendlichen stieg die Zahl der Tatverdächtigen im Bereich Gewaltkriminalität um rund 3,8 %, bei den Kindern sogar um etwa 11,3 % (BKA, PKS 2024).
Genau hier setzt das Antigewalt-Training an: Es ist ein Versuch, jungen Menschen, die wiederholt gewalttätig geworden sind, einen Ausweg aus der Gewalt zu eröffnen — dort, wo klassische pädagogische Angebote oft nicht mehr greifen.
2. Was ist Antigewalt-Training?
„Antigewalt-Training“ ist ein Oberbegriff für pädagogisch-therapeutische Trainingsprogramme, die das Ziel verfolgen, gewalttätiges Verhalten abzubauen und gewaltfreie Handlungsalternativen aufzubauen. Der bekannteste und namengebende Ansatz im deutschsprachigen Raum ist das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT®), entwickelt von dem Sozialpädagogen und Kriminologen Jens Weidner.
Das AAT versteht sich als deliktspezifisches Angebot: Es setzt gezielt an der Gewalttat und ihrer Rechtfertigung an. Ziel ist nicht nur, Gewalt zu unterlassen, sondern eine innere Veränderung anzustoßen — weg von der Selbstrechtfertigung, hin zu Verantwortungsübernahme und Mitgefühl für die Opfer (Weidner, 1990).
3. Ursprung und Zielgruppe
Das Anti-Aggressivitäts-Training wurde erstmals 1987 in der Jugendvollzugsanstalt Hameln durchgeführt (socialnet Lexikon; Weidner, 1990). Es entstand aus einer klaren Beobachtung: Bei einer kleinen Gruppe mehrfach und schwer gewalttätiger junger Menschen zeigten die üblichen, eher zurückhaltenden sozialpädagogischen Methoden wenig Wirkung. Weidner suchte einen Ansatz, der diese Gruppe wirklich erreicht.
Die Zielgruppe ist entsprechend eng umrissen: mehrfach gewalttätig auffällig gewordene junge Menschen, überwiegend männlich, typischerweise im Alter von etwa 16 bis 21 Jahren (socialnet Lexikon). Es geht also nicht um jeden Konflikt oder jede Rangelei, sondern um verfestigtes, wiederholtes Gewaltverhalten.
4. Abgrenzung: AGT ist nicht Deeskalation
Ein häufiges Missverständnis ist die Gleichsetzung von Antigewalt-Training und Deeskalation. Beide beschäftigen sich mit Gewalt und Aggression — aber sie tun völlig Unterschiedliches. Die folgende Übersicht stellt die beiden Ansätze gegenüber.
Kurz gesagt: Deeskalation fragt „Wie beruhige ich diese Situation jetzt?“, Antigewalt-Training fragt „Wie helfe ich diesem Menschen, künftig nicht mehr gewalttätig zu werden?“. Beide sind wichtig — aber sie gehören in unterschiedliche Werkzeugkästen.
5. Ehrliche Einordnung dieses Kurses
Zur wissenschaftlichen und rechtlichen Redlichkeit gehört eine klare Ansage: Das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT®) und das Coolness-Training® sind geschützte, methodisch festgelegte Verfahren. Wer sie eigenverantwortlich durchführen möchte, benötigt eine anerkannte Trainerausbildung (u. a. am Deutschen Institut für Konfrontative Pädagogik).
6. Ein häufiger Irrtum
7. Näher betrachtet: ein Fall
8. Was das für die Praxis heißt
Für Ihre Arbeit legt dieses Modul den Rahmen: Verstehen Sie Antigewalt-Training als Ansatz der Arbeit mit den Verursachern von Gewalt — nicht als Deeskalationstechnik. Kennen Sie die enge Zielgruppe (mehrfach gewalttätige junge Menschen) und den Ursprung bei Weidner. Und behalten Sie die ehrliche Einordnung im Blick: Dieser Kurs schafft Verständnis, ersetzt aber keine Trainerausbildung. Wie die Haltung hinter dem Ansatz aussieht — die konfrontative Pädagogik —, zeigt das nächste Modul.
9. Übungen
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- Offizielle Daten (BKA, PKS 2024) zeigen einen Höchststand der Gewaltkriminalität; Kinder +11,3 %, Jugendliche +3,8 %.
- Antigewalt-Training arbeitet mit den Verursachern von Gewalt; bekanntester Ansatz: Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) nach Weidner.
- Ursprung: 1987, JVA Hameln. Zielgruppe: mehrfach gewalttätige junge Menschen (ca. 16–21 Jahre).
- AGT ist nicht Deeskalation: Verhalten verändern (Monate) statt Situation beruhigen (Minuten).
- Dieser Kurs vermittelt Grundlagen — er ist keine Trainerausbildung (AAT®/Coolness-Training® sind geschützte Verfahren).
Die Inhalte stützen sich auf die unten genannte Fachliteratur, Fachbeiträge und offizielle Statistiken. Wörtliche Zitate und Zahlen sind überprüft. Alle Schaubilder, Tabellen und Übersichten in diesem Kurs sind eigene Darstellungen (mit KI erstellt) — inhaltlich nach den angegebenen Quellen. Namen in den Fallbeispielen sind frei erfunden.
- Weidner, J. (1990): Anti-Aggressivitäts-Training für Gewalttäter. Ein deliktspezifisches Behandlungsangebot im Jugendvollzug. Bonn: Forum Verlag Godesberg. (Erstmals erprobt 1987 in der JVA Hameln.)
- socialnet Lexikon: Anti-Aggressivitäts-Training. Bonn: socialnet (abgerufen 2025). www.socialnet.de/lexikon
- Bundeskriminalamt (BKA) (2025): Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2024. Wiesbaden: Bundeskriminalamt. (Offizielle Statistik.)
- Deutsches Institut für Konfrontative Pädagogik (DIKP): Grundlagen des Anti-Aggressivitäts-Trainings® (AAT®) und des Coolness-Trainings®. www.konfrontative-paedagogik.de