Modul 1 — Was ist ein Genogramm?
Was ist ein Genogramm?
Ein Genogramm macht Familie sichtbar — nicht nur, wer zu wem gehört, sondern wie die Beziehungen wirken und welche Muster sich über Generationen wiederholen. Dieser kostenlose Grundlagenkurs führt Sie Schritt für Schritt ein. Dieses Modul klärt die Grundlagen.
- ein Genogramm definieren
- den Unterschied zwischen Genogramm und Stammbaum erklären
- die Herkunft (McGoldrick/Gerson, Bowen) einordnen
- den Nutzen für die Soziale Arbeit benennen
- 1. Familie sichtbar machen
- 2. Was ist ein Genogramm?
- 3. Genogramm oder Stammbaum?
- 4. Woher kommt die Methode?
- 5. Wozu in der Sozialen Arbeit?
- 6. Ein häufiger Irrtum
- 7. Näher betrachtet: ein Fall
- 8. Was das für die Praxis heißt
- 9. Übungen
1. Familie sichtbar machen
Menschen sind eingebettet in Familien — und vieles, was Fachkräfte in der Sozialen Arbeit begegnet, lässt sich erst verstehen, wenn man diesen familiären Zusammenhang kennt. Ein Genogramm ist ein einfaches, aber kraftvolles Werkzeug dafür: Es zeichnet die Familie auf ein Blatt Papier und macht Beziehungen, Rollen und wiederkehrende Muster auf einen Blick sichtbar.
2. Was ist ein Genogramm?
Fachlich ist ein Genogramm die grafische Darstellung von Beziehungen und Strukturen innerhalb einer Familie (vgl. socialnet Lexikon). Das Wort stammt aus dem Griechischen: genea (Abstammung) und graphein (schreiben, zeichnen). Ein Genogramm hält also nicht nur fest, wer mit wem verwandt ist, sondern auch, wie die Menschen zueinander stehen — nah oder distanziert, konflikthaft oder unterstützend — und über mindestens drei Generationen hinweg.
3. Genogramm oder Stammbaum?
Ein Genogramm sieht auf den ersten Blick wie ein Stammbaum aus — und wird oft damit verwechselt. Der Unterschied ist aber entscheidend: Ein Stammbaum dokumentiert genealogische Fakten (wer von wem abstammt, Namen, Daten). Ein Genogramm geht weit darüber hinaus: Es macht Beziehungsqualitäten, psychologische Aspekte und wiederkehrende Muster sichtbar.
4. Woher kommt die Methode?
Das Genogramm hat seine Wurzeln in der Familientherapie. Maßgeblich geprägt wurde es von Monica McGoldrick und Randy Gerson, deren Standardwerk Genograms: Assessment and Intervention (1985; dt. Genogramme in der Familienberatung) bis heute die Grundlage bildet. Theoretisch steht dahinter die Mehrgenerationenperspektive von Murray Bowen: die Idee, dass sich familiäre Muster — Beziehungsstile, Rollen, auch Belastungen — über Generationen weitergeben können.
5. Wozu in der Sozialen Arbeit?
Das Genogramm ist längst nicht mehr nur ein Werkzeug der Therapie. Es wird heute in der Beratung, in der Kinder- und Jugendhilfe und in der systemischen Arbeit breit eingesetzt. Sein Nutzen ist vielfältig: Es hilft, eine Familie schnell zu überblicken, Ressourcen und Belastungen zu erkennen, gemeinsam mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen und Hypothesen für die Unterstützung zu entwickeln.
Überblick die Familie auf einen Blick erfassen | Beziehungen Nähe, Distanz und Konflikte sichtbar machen |
Ressourcen Stärken und Unterstützung im System erkennen | Gespräch gemeinsam mit der Familie erarbeiten |
6. Ein häufiger Irrtum
7. Näher betrachtet: ein Fall
8. Was das für die Praxis heißt
Für Ihre Arbeit legt dieses Modul den Grund: Verstehen Sie das Genogramm als Beziehungslandkarte, nicht als Stammbaum. Nutzen Sie es, um Familien schnell zu überblicken, Ressourcen und Belastungen zu erkennen und — ganz wichtig — gemeinsam mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen. Wie man ein Genogramm konkret zeichnet, lernen Sie ab dem nächsten Modul: zuerst die Grundsymbole.
9. Übungen
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- Ein Genogramm ist die grafische Darstellung von Beziehungen und Strukturen einer Familie (mind. drei Generationen).
- Es unterscheidet sich vom Stammbaum: nicht nur Fakten, sondern Beziehungen und Muster.
- Geprägt von McGoldrick & Gerson; theoretisch fundiert in Bowens Mehrgenerationenperspektive.
- Nutzen in der Sozialen Arbeit: Überblick, Beziehungen & Ressourcen sichtbar machen, Gesprächseinstieg.
Die fachlichen Grundlagen stützen sich auf die genannte Standardliteratur. Namen in den Fallbeispielen sind frei erfunden und dienen nur der Veranschaulichung.
- socialnet Lexikon: Genogramm. In: socialnet Lexikon. Bonn: socialnet (abgerufen 2025).
- McGoldrick, M., Gerson, R. & Petry, S.: Genogramme in der Familienberatung. Bern: Hogrefe (dt. Ausgabe des Standardwerks).
- McGoldrick, M. & Gerson, R. (1985): Genograms: Assessment and Intervention. New York: W. W. Norton (Erstausgabe des Genogramm-Standardwerks).
- Bowen, M.: Family Therapy in Clinical Practice — Grundlage der Mehrgenerationenperspektive (Bowen’sche Familiensystemtheorie).