Harmonisierte Bildungsrahmenpläne in der WfbM
Harmonisierte Bildungsrahmenpläne WfbM: Aufbau, Nutzen und Fachkonzept 2026
Harmonisierte Bildungsrahmenpläne WfbM (hBRP) sind Pläne, die die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen gemeinsam mit den Landesarbeitsgemeinschaften entwickelt hat, um Inhalte anerkannter Ausbildungsberufe für den Berufsbildungsbereich nutzbar zu machen (Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen [BAG WfbM], 2026d). Sie stufen diese Inhalte nach Anforderungsniveau ab und schaffen so eine Binnendifferenzierung, die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen gerecht wird.
Für Bildungsbegleiter:innen, Gruppenleitungen und Fachdienste sind die Pläne ein praktisches Werkzeug, um Qualifizierung im Berufsbildungsbereich (BBB) nachvollziehbar zu planen und zu dokumentieren. Seit dem 1. Januar 2026 gilt zudem ein neues Fachkonzept der Bundesagentur für Arbeit. Dieser Beitrag ordnet ein, wie Rahmenpläne, rechtliche Vorgaben und individuelle Bildungsplanung zusammenpassen.
- hBRP übertragen Inhalte anerkannter Ausbildungsberufe in den BBB und stehen Mitgliedern im Mitgliederbereich der BAG WfbM zur Verfügung.
- Sie sind kein gesetzliches Muss: Jede Werkstatt entscheidet selbst über Inhalte und Dokumentationssystem.
- Rechtsgrundlagen sind vor allem § 57 SGB IX und die Werkstättenverordnung (WVO).
- Das BA-Fachkonzept (Stand November 2025) kennt fünf Qualifizierungsstufen und verlangt Rahmenlehrpläne mit Orientierung an Ausbildungsberufen.
- Betriebliche Praktika sind fester Bestandteil des BBB.
Was leisten harmonisierte Bildungsrahmenpläne in der WfbM?
Die hBRP beschreiben Lernziele entlang von drei Dimensionen: Fertigkeiten, Kenntnisse und Transfer. Aus einem Ausbildungsberuf werden so überschaubare Lernschritte, die sich auf verschiedenen Niveaus bearbeiten lassen. Die Broschüre der BAG WfbM unterscheidet dafür vier Differenzierungsebenen – tätigkeitsorientiert, arbeitsplatzorientiert, berufsfeldorientiert und berufsbildorientiert (BAG WfbM, o. J.-b).
Wichtig für die Praxis: Laut BAG WfbM entscheidet jede Werkstatt frei, welche Inhalte sie auswählt und wie sie dokumentiert. Die Pläne können außerdem an Bildungsangebote im Arbeitsbereich anknüpfen und als Grundlage für Teilqualifizierungen dienen. Die Studie „Evaluation harmonisierter Bildungsrahmenpläne“ (EvaBi) der Universität Würzburg beschreibt sie als Planungs- und Dokumentationsinstrument und sieht Bedarf an didaktisch-methodischen Handlungsempfehlungen für Fachkräfte (BAG WfbM, o. J.-a).
Rechtlicher Rahmen: § 57 SGB IX und Werkstättenverordnung
Nach § 57 SGB IX klärt das Eingangsverfahren, ob die Werkstatt die passende Einrichtung ist, und mündet in einen Eingliederungsplan. Es dauert drei Monate und kann auf bis zu vier Wochen verkürzt werden. Der Berufsbildungsbereich soll die Leistungs- oder Erwerbsfähigkeit entwickeln und wird für zwei Jahre erbracht – in der Regel zunächst für ein Jahr, das zweite auf Grundlage einer fachlichen Stellungnahme. Zuständig ist grundsätzlich die Bundesagentur für Arbeit, sofern kein anderer Rehabilitationsträger eintritt (§ 63 SGB IX).
Die WVO gliedert Lehrgänge im BBB in einen Grund- und einen Aufbaukurs von in der Regel je zwölf Monaten (§ 4 WVO). Im Grundkurs stehen grundlegende Arbeitsabläufe sowie der Umgang mit Werkstoffen und Werkzeugen im Vordergrund, im Aufbaukurs anspruchsvollere Tätigkeiten, insbesondere an Maschinen. Für das Zahlenverhältnis von Fachkräften zu Teilnehmenden sieht § 9 Abs. 3 WVO im BBB als Soll-Vorgabe 1:6 vor.
Harmonisierte Bildungsrahmenpläne WfbM und das Fachkonzept 2026
Das überarbeitete Fachkonzept für Eingangsverfahren und Berufsbildungsbereich soll die Qualität personenzentrierter beruflicher Bildung erhöhen und das Wunsch- und Wahlrecht stärken (Bundesagentur für Arbeit [BA], 2025). Für jede teilnehmende Person benennt der Leistungserbringer eine:n verantwortliche:n Bildungsbegleitende:n als feste Bezugsperson. Der Eingliederungsplan wird als dynamischer Plan fortgeschrieben. Den Begriff „harmonisierte Bildungsrahmenpläne“ verwendet das Fachkonzept selbst nicht; es verlangt aber Rahmenlehrpläne, die sich an anerkannten Ausbildungsberufen und am allgemeinen Arbeitsmarkt orientieren. Die Tabelle stellt beide Stufenlogiken gegenüber.
| Qualifizierungsstufe (BA-Fachkonzept) | Differenzierungsebene (hBRP-Broschüre) | Bezugspunkt |
|---|---|---|
| fähigkeitsorientiert | keine eigene Ebene | grundlegende Fähigkeiten |
| tätigkeitsorientiert | tätigkeitsorientiert | einzelne Tätigkeiten |
| arbeitsplatzorientiert | arbeitsplatzorientiert | ein konkreter Arbeitsplatz |
| berufsfeldorientiert | berufsfeldorientiert | ein Berufsfeld |
| berufsbildorientiert | berufsbildorientiert | ein anerkannter Ausbildungsberuf |
Qualifizierungsbausteine und Validierung
Qualifizierungsbausteine sind nach § 69 Abs. 1 BBiG inhaltlich und zeitlich abgegrenzte Lerneinheiten aus anerkannten Ausbildungsberufen; das Fachkonzept nennt einen Umfang von 140 bis 420 Stunden. Seit 2025 ermöglicht das Berufsbildungsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetz Verfahren, die eine Vergleichbarkeit mit einer Berufsausbildung feststellen können. Der BBB kann dafür Grundlagen legen – ein Erfolg ist aber nicht garantiert. Am Ende des BBB steht ein Nachweis, der berufsfachliche Inhalte, allgemeine Qualifizierungen und Praktika ausweist.
Häufige Fragen
Sind harmonisierte Bildungsrahmenpläne verpflichtend?
Nein. Weder das Gesetz noch das BA-Fachkonzept schreiben die hBRP vor. Das Fachkonzept verlangt Rahmenlehrpläne mit Orientierung an Ausbildungsberufen; laut BAG WfbM wählt jede Werkstatt Inhalte und Dokumentation selbst.
Wie lange dauert der Berufsbildungsbereich?
Nach § 57 SGB IX zwei Jahre, bewilligt in der Regel zunächst für ein Jahr. Das zweite Jahr folgt auf Grundlage einer fachlichen Stellungnahme. Zeiten individueller betrieblicher Qualifizierung werden zur Hälfte angerechnet.
Was ist der Unterschied zwischen hBRP und Qualifizierungsbausteinen?
hBRP sind Rahmenpläne der BAG WfbM mit abgestuften Lernzielen. Qualifizierungsbausteine sind in § 69 BBiG geregelte, abgegrenzte Lerneinheiten mit festem Stundenumfang. Beide orientieren sich an anerkannten Ausbildungsberufen und lassen sich in der Planung kombinieren.
Welche Aufgaben hat die Bildungsbegleitung in der WfbM?
Nach dem Fachkonzept ist sie die feste Bezugsperson jeder teilnehmenden Person. Sie verantwortet die individuelle Qualifizierungsplanung und schreibt den Eingliederungsplan gemeinsam mit der Person fort.
Der Kurs zeigt in 8 Modulen mit Fallbeispielen und Wissenscheck, wie Sie Rahmenpläne, Qualifizierungsstufen und Bildungsplanung im BBB verbinden – im eigenen Tempo, mit Teilnahmebescheinigung nach Bearbeitung aller Module.
Zum Selbstlernkurs: Harmonisierte Bildungsrahmenpläne im Berufsbildungsbereich WfbM →Bundesagentur für Arbeit. (2025). Fachkonzept für Eingangsverfahren und Berufsbildungsbereich (§ 57 SGB IX) (Stand November 2025). https://www.arbeitsagentur.de/datei/fachkonzept-fuer-eingangsverfahren-und-berufsbildungsbereich-p-57-sgb-9_ba055123.pdf
Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e. V. (o. J.-a). Ergebnisse der Studie „Evaluation harmonisierter Bildungsrahmenpläne“ [Broschüre]. https://bagwfbm.de/wp-content/uploads/2026/01/bag_wfbm_ergebnisse_der_studie_evabi.pdf
Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e. V. (o. J.-b). Harmonisierte Bildungsrahmenpläne – Berufliche Perspektiven für Werkstattbeschäftigte [Broschüre]. https://bagwfbm.de/wp-content/uploads/2026/02/broschuere_bildungsrahmenplaene_2020.pdf
Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e. V. (2026d, 9. April). Harmonisierte Bildungsrahmenpläne. https://bagwfbm.de/ueber-uns/teilhabe-am-arbeitsleben/bildung/bildungsrahmenplaene/
Dritte Verordnung zur Durchführung des Schwerbehindertengesetzes (Werkstättenverordnung – WVO), §§ 2, 3, 4 und 9, in der geltenden Fassung. Abrufbar unter https://www.gesetze-im-internet.de/schwbwv/
Neuntes Buch Sozialgesetzbuch – Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen (SGB IX) vom 23. Dezember 2016 (BGBl. I S. 3234), § 57 Leistungen im Eingangsverfahren und im Berufsbildungsbereich, in der am 25. September 2026 geltenden Fassung. Abrufbar unter https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__57.html
Stand: September 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.