Dekubitusprophylaxe in der Pflege
Dekubitusprophylaxe in der Pflege
Ein Druckgeschwür entsteht oft schneller als gedacht – und ist fast immer vermeidbar. Wie Fachkräfte gefährdete Menschen erkennen, den Druck nehmen und die Haut schützen, auf Grundlage des Expertenstandards.
Ein Dekubitus (Druckgeschwür) entsteht, wenn anhaltender Druck – oft kombiniert mit Reibung und Scherkräften – die Durchblutung des Gewebes unterbricht. Grundlage der Vorbeugung ist der Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege" (DNQP). Das wichtigste Prinzip lautet: Druck vermeiden oder verteilen – vor allem durch Bewegung. Wer gefährdete Menschen früh erkennt, die Haut beobachtet und den Druck nimmt, verhindert die allermeisten Druckgeschwüre.
Druckgeschwüre sind schmerzhaft, heilen langsam und sind ein wichtiger Qualitätsindikator in der Pflege. Die gute Nachricht: Sie sind zum großen Teil vermeidbar. Entscheidend ist ein systematisches Vorgehen – von der Risikoeinschätzung über die Druckentlastung bis zur täglichen Hautbeobachtung. Dieser Beitrag fasst die vier Säulen der Dekubitusprophylaxe zusammen.
Überblick: die vier Säulen
Vier Säulen, ein Ziel: den Druck vom Gewebe nehmen und die Haut intakt halten.
1. Wie ein Dekubitus entsteht
Ursache ist anhaltender Druck auf das Gewebe, meist über Knochenvorsprüngen. Kommen Reibung und Scherkräfte hinzu (etwa beim Herunterrutschen im Bett), steigt das Risiko. Wird die Durchblutung zu lange unterbrochen, stirbt Gewebe ab. Besonders gefährdet sind Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Sensibilitätsstörungen, schlechtem Ernährungszustand oder Feuchtigkeit auf der Haut.
2. Gefährdete Stellen & Risiko einschätzen
Am häufigsten betroffen sind die Prädilektionsstellen – Körperstellen über Knochen: Kreuz- und Steißbein, Fersen, Sitzbeinhöcker, Hüfte (Trochanter), Ellenbogen, Schulterblätter, Hinterkopf und Ohren. Der Expertenstandard verlangt eine fachliche Risikoeinschätzung (klinisches Urteil, ergänzt durch Skalen wie die Braden-Skala) – bei Aufnahme, bei Veränderungen und in festgelegten Abständen.
3. Der Fingertest: Warnsignal erkennen
Eine gerötete Stelle mit dem Finger kurz eindrücken – die Reaktion entscheidet.
4. Wirksame Maßnahmen
Der beste Schutz vor Dekubitus ist Bewegung. Kein Hilfsmittel ersetzt regelmäßige Entlastung – und eine gerötete Stelle, die nicht weiß wird, ist immer ein Alarmzeichen.
5. Häufige Fragen
Was ist die wichtigste Maßnahme gegen Dekubitus?
Druckentlastung durch Bewegung. Eigenbewegung fördern und regelmäßig umlagern ist wirksamer als jedes Hilfsmittel allein.
Was zeigt der Fingertest?
Ob eine Rötung durchblutungsbedingt (wegdrückbar, wird weiß) oder ein beginnender Dekubitus ist (nicht wegdrückbar, bleibt rot = Kategorie 1).
Soll man gerötete Stellen massieren?
Nein. Massage geröteter oder gefährdeter Hautstellen ist zu unterlassen – sie kann das Gewebe zusätzlich schädigen.
Reicht eine Spezialmatratze aus?
Nein. Druckverteilende Hilfsmittel ergänzen die Prophylaxe, ersetzen aber weder Bewegung noch Hautbeobachtung.
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Fachlicher Standard: Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege", Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP), aktualisierte Fassung.
Klassifikation: Kategorien/Stadien des Dekubitus nach international anerkannter Einteilung (EPUAP/NPIAP).
Weitere Grundlagen: Handlungsempfehlungen und Materialien des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP).
Hinweis: Dieser Beitrag fasst fachliche Standards allgemein zusammen und ersetzt keine individuelle pflegefachliche oder ärztliche Beurteilung im Einzelfall.