Blogeinträge von Fatih Acik
Deeskalation im pädagogischen Alltag
Wie angespannte Situationen früh erkannt und ohne Zwang entschärft werden – Haltung, Phasen und Techniken.
Von Fatih Acik · Staatlich anerkannter Arbeitserzieher
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Angespannte Situationen, verbale Angriffe oder aggressives Verhalten gehören in sozialen, pädagogischen und pflegerischen Arbeitsfeldern zum Alltag. Deeskalation ist die professionelle Fähigkeit, solche Situationen frühzeitig zu erkennen und so zu begleiten, dass Sicherheit für alle Beteiligten entsteht – möglichst ohne Zwang und ohne Beschädigung der Beziehung.
1. Was ist Deeskalation – und was nicht?
Deeskalation umfasst alle Haltungen und Maßnahmen, die eine drohende Zuspitzung von Anspannung, Aggression oder Gewalt verringern. Ziel ist nicht, das Gegenüber zu „besiegen“, sondern Sicherheit wiederherzustellen und die Beziehung tragfähig zu halten (Wesuls, Heinzmann & Brinker, 2005). Aggressives Verhalten ist dabei selten Selbstzweck, sondern häufig Ausdruck von Angst, Überforderung oder unerfüllten Bedürfnissen (Breakwell, 1998).
2. Den Eskalationsverlauf verstehen
Eskalationen verlaufen selten sprunghaft, sondern in nachvollziehbaren Phasen. Das Modell des Eskalationskreislaufs (assault cycle) beschreibt, wie die Anspannung typischerweise ansteigt und wieder abfällt (Kaplan & Wheeler, 1983):
Am wirksamsten ist Deeskalation früh – in der Auslöse- und Eskalationsphase. In der roten Krisenphase stehen Schutz und Sicherheit im Vordergrund.
3. Die innere Haltung als Basis
Techniken wirken nur auf dem Boden einer stimmigen Haltung. Drei Prinzipien sind zentral:
Personenzentrierte, zwangsvermeidende Ansätze gelten heute als fachlicher Standard: Sowohl die deutsche S3-Leitlinie zur Verhinderung von Zwang (DGPPN, 2018) als auch die NICE-Leitlinie (2015) betonen Prävention, Beziehungsgestaltung und den Vorrang milderer Mittel.
4. Techniken: der Werkzeugkasten
5. Nachsorge und Reflexion
Deeskalation endet nicht mit der Beruhigung. Drei Schritte sichern das Lernen aus dem Vorfall:
Wiederkehrende Gewalterfahrungen ohne Verarbeitung können zu Erschöpfung führen; die Selbstfürsorge des Teams ist deshalb Teil professioneller Deeskalation (DGPPN, 2018).
Welche Warnsignale nehme ich bei meinem Gegenüber – und bei mir selbst – zuerst wahr?
In welcher Phase reagiere ich meist? Wie käme ich früher ins Handeln?
Was hilft mir persönlich, in angespannten Momenten ruhig zu bleiben?
6. Fazit
Deeskalation ist weniger ein Bündel von „Tricks“ als eine Kombination aus Haltung, dem Verständnis für den Eskalationsverlauf und trainierbaren Techniken. Sicher wird diese Kompetenz vor allem durch Übung, Fallarbeit und regelmäßige Reflexion.
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Breakwell, G. M. (1998). Aggression bewältigen: Umgang mit Gewalttätigkeit in Klinik, Schule und Sozialarbeit. Bern: Verlag Hans Huber.
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde [DGPPN] (Hrsg.). (2018). S3-Leitlinie Verhinderung von Zwang: Prävention und Therapie aggressiven Verhaltens bei Erwachsenen. Berlin: Springer.
Kaplan, S. G., & Wheeler, E. G. (1983). Survival skills for working with potentially violent clients. Social Casework, 64(6), 339–346.
National Institute for Health and Care Excellence [NICE]. (2015). Violence and aggression: short-term management in mental health, health and community settings (NICE Guideline NG10). London: NICE.
Wesuls, R., Heinzmann, T., & Brinker, L. (2005). Professionelles Deeskalationsmanagement (ProDeMa). Stuttgart: Unfallkasse Baden-Württemberg.
Hinweis: Dieser Beitrag bietet eine fachliche Einführung und ersetzt keine zertifizierte Deeskalationsschulung. Bei akuter Gefahr stehen Eigenschutz und das Hinzuziehen von Hilfe im Vordergrund.